Im Zweifel für den Angeklagten


© by sunny768

Mit ernster Miene sah der Richter den vor ihm sitzenden Beschuldigten an. Eben hatte die Staatsanwältin die Anklage verlesen und wartete nun darauf, dass der Tatverdächtige sich zu den Vorwürfen äußerte. Ihm wurde vorgeworfen, im Park eine Frau überfallen, sie windelweich geprügelt und ausgeraubt zu haben.

„Angeklagter Hermann, was haben sie zu diesen Vorwürfen, die ihnen vorgehalten werden, zu sagen?“, wandte sich der Richter an den Mann. Streng blickte er ihn an.

„Euer Ehren, ich schwöre, ich bin unschuldig“, wehrte Hermann die Anschuldigungen ab.

„Sie geben also nicht zu, die Zeugin Frau Giewald überfallen, geschlagen und ausgeraubt zu haben?“

„Nein, Euer Ehren, ich war das nicht“, beharrte der Angeklagte auf seiner Unschuld.

„Die Zeugin hat sie aber erkannt. Die Täterbeschreibung passt genau auf ihre Person“, gab der Richter bekannt.

„Das kann nicht sein. Ich war um die Zeit gar nicht im Park. Und die Zeugin Giewald kenne ich nicht einmal, also warum sollte ich sie überfallen, schlagen und ausrauben? Ich bin ein ehrbarer Bürger. Noch nie habe ich mir etwas zu schulden kommen lassen“, erwiderte der Mann.

„Sie besitzen also kein rotes Basecap mit der Aufschrift „Alle Macht den Männern“, keinen dunkelblauen Parka, keine grasgrünen Sportschuhe und keine graue zerrissene Jeans?“

Der Angeklagte überlegte einige Zeit. Alle anwesenden Zuschauer starrten wie gebannt auf den in der Mitte des Saales sitzenden Mann. Scheinbar wollten sie kein einziges Wort, das der Beschuldigte im Verfahren von sich gab, verpassen.

„Doch, ich besitze ähnliche Kleidungsstücke, wie die beschriebenen“, gab der Angeklagte zu. „Das sagt aber noch gar nichts. Jede x-beliebige andere Person kann auch solche Sachen besitzen. Da kann ich doch nichts dafür“, warf er noch ein und zuckte mit der Schulter.

„Ach, reden sie doch nicht so einen Schmarren!“ Die Staatsanwältin sprang aufgebracht von ihrem Stuhl auf und stolzierte durch den Gerichtssaal. Zu ihrer schwarzen Robe trug sie heute wieder die Highheels, die sie so liebte. Zwar war es unbequem, die den ganzen Tag tragen zu müssen, doch irgendwie musste sie trotz Einheitsrobe, die für sie als Staatsanwältin im Gerichtssaal Vorschrift war, auffallen. Wie sie diese Robe, die sie aussehen ließ wie eine aufgeplusterte Krähe, hasste. Doch der Vorschrift durfte sie sich als Staatsanwältin und Respektsperson nicht widersetzen.

Sie stellte sich vor den Zeugentisch, an dem der Beschuldigte im Strafverfahren wie auf einem Präsentierteller saß. Als sie ihre Hände in die Hüfte stemmte, klaffte die Robe vorn auf und gab die darunter liegende Kleidung den Blicken des Angeklagten preis. Die weit ausgeschnittene Bluse ließ ihre prallen Möpse beinahe aus dem Ausschnitt fallen. Fast wäre dies auch geschehen, als sie sich auf dem Tisch abstützte und vorüber gebeugt, dem Angeklagten ins Gesicht schaute.

„Nun, Herr Angeklagter, wollen sie sich nicht endlich äußern und die schlimme Tat eingestehen?“, sagte sie mit einem gefährlichen Unterton in der Stimme, die Hermann einen eiskalten Schauer über den Rücken jagte. „Wenn sie gestehen, kann das zu ihren Gunsten ausgelegt werden“, lockte sie noch. „Wollen sie viele Jahre länger im Gefängnis sitzen? Überlegen sie genau!“

„Ich, ich…“, stotterte Hermann, unfähig einen ganzen Satz auszusprechen. Ihm fielen bei dem Anblick der Staatsanwältin beinahe die Augen aus dem Kopf.

„Wie, ich, ich…?“, fuhr diese ihn an. „Können sie nicht sprechen, oder wollen sie nicht? Alle Indizien sprechen doch gegen sie. Sie werden so oder so verurteilt.“

„Ich bin unschuldig“, platzte Hermann nochmals heraus. „Und außerdem können sie mir gar nichts beweisen.“ Hämisch grinsend starrte er in den Ausschnitt der vor ihm stehenden Frau. Er stellte sich vor, wie es wäre, mit dem Gesicht zwischen die beiden üppigen Hügel einzutauchen.


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