Sally, fern von zu Hause

Auszug aus Teil 2 -  Kapitel 4


Garrick wollte sich, nachdem er das Kloster ohne Erfolgserlebnis verlassen hatte, unverzüglich auf den Weg zu Mistress Montgomery machen. Sollte die Äbtissin wider Erwarten einen Boten zu ihr schicken, musste er diesem unbedingt zuvorkommen. Ansonsten wäre das Überraschungsmoment dahin.

„Mister Moore! Wartet!“, hörte Garrick eine weibliche Stimme hinter sich, die ihn davon abhielt, auf sein Pferd zu steigen.

Der Agent drehte sich um und erblickte Schwester Magdalena, die ihn lächelnd entgegen gelaufen kam. Die Wangen der jungen Nonne waren vom schnellen Laufen gerötet.

„Oh, Schwester Magdalena! Euch heute außerhalb des Klosters anzutreffen, ist wahrlich eine Überraschung“, begrüßte Garrick die junge Nonne, ebenfalls lächelnd. „Ist denn heute bereits Mittwoch?“, fragte er.

„Nein, keine Bange. Ihr habt unser heimliches Treffen nicht verpasst“, erwiderte die Klosterfrau und strahlte den Mann an.

„Und ich dachte schon, ich habe Euch versetzt“, meinte Garrick daraufhin lächelnd. „Trotzdem muss ich Euch nun verlassen. Ich habe noch einen weiten Weg vor mir. Gehabt Euch wohl“, sagte Garrick dann und stieg auf sein Pferd.

„Gott schütze Euch und Euren Weg“, entgegnete Schwester Magdalena und wandte sich der Klosterpforte zu.

„Wartet, eine Frage noch“, rief Garrick ihr im letzten Moment nach und sprang noch einmal von seinem Reittier.

Schwester Magdalena kehrte der Pforte, an die sie eben klopfen wollte, den Rücken zu. Fragend blickte sie dem Kundschafter entgegen.

„Sagt, liebe Schwester Magdalena, kennt Ihr Euch im Kloster gut aus?“, wollte Garrick wissen.

„Aber natürlich, Mister Moore“, entgegnete die Nonne. „Seit vielen Jahren lebe ich hinter diesen ehrwürdigen Mauern. Da kenne ich jeden kleinsten Winkel.“

„Auch den Keller oder das Verlies?“, fragte Moore.

Erschrocken schlug Magdalena die Hände vor ihren Mund. Ihre Augen weiteten sich ängstlich, sie wurde blass. „Dort soll es spuken und es ist unheimlich“, stieß sie nach einer Weile aus.

„Wer sagt das?“

„Die Äbtissin Christdora und viele der ältesten Nonnen“, antwortete Magdalena.

„Glaubt Ihr diesem Mummenschanz?“, hakte Garrick nach.

„Einen Geist habe ich im Kloster noch nie gesehen“, erwiderte die Schwester. „Ob in diesem düsteren Keller einer haust, weiß ich nicht.“

„Gut“, sagte Garrick darauf. „Wagt Ihr Euch, mich in den Keller zu führen?“

Magdalena wurde erneut blass, ihr Herz schlug vor Aufregung schnell.

„Seid Ihr bereit für ein kleines Abenteuer?“, stocherte der Detektiv in der offenen Wunde herum.

Das Herz der Nonne schlug noch schneller. Ein Abenteuer wäre eine willkommene Ablenkung vom tristen Klosteralltag. „Immer“, sagte sie dann ein wenig zu schnell, während sie beinahe an den Lippen des Mannes hing.

„Dann führt mich in den Keller“, ließ Garrick die Katze aus dem Sack.

„Wann?“, wollte Magdalena wissen. Am liebsten wäre sie sofort losgegangen.

Garrick jedoch hielt sie zurück. „Morgen Abend nach dem letzten Gebet des Tages“, erwiderte der Mann. „Niemand darf von unserer geheimen Mission wissen“, setzte er noch hinten an.

„Hinten am Kräutergarten ist die Mauer nicht allzu hoch“, ließ Magdalena ihn wissen. „Dort könnt Ihr ohne große Mühe drübersteigen. Die Stelle ist auch recht abgelegen und nicht gut einsehbar. Von da aus ist es auch nicht sehr weit zum Keller. Kommt am besten ohne Pferd, oder bringt jemanden mit, der es in Sicherheit bringt und auf es aufpasst, während wir uns im Keller umsehen“, riet sie Garrick.

Der Kundschafter freute sich über Magdalenas euphorische Worte. Die Nonne schien darauf zu brennen, ihm in seiner Sache behilflich zu sein. „Ich komme lieber zu Fuß und allein“, erwiderte er. „Je weniger Mitwisser, desto besser.“

„Wie Ihr wünscht“, sagte Magdalena. „Doch nun muss ich eilen. Ich bin wie immer bereits viel zu spät.“ Damit eilte sie zur Pforte, die auf ihr Klopfen sofort geöffnet wurde. Garrick konnte sich gerade noch wegdrehen, ehe ihn die neugierige Pförtnerin erkennen konnte. Dann schwang er sich auf sein Ross, um endlich zu Mistress Lilith zu reiten.


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