Sally, fern von zu Hause

Auszug aus Teil 2 -  Kapitel 5


Am nächsten Morgen machten sich Garrick Moore und Sir Selwyn als erstes auf den Weg nach Canterbury. Garrick berichtete am Abend zuvor von der Nonne Magdalena, die ihm im Kloster gerne behilflich sein wollte.

Sir Selwyn war sofort Feuer und Flamme, als Garrick erzählte, die Nonne würde ihn heimlich in den Klosterkeller führen, damit er sich dort umsehen konnte. Da musste er unbedingt dabei sein. Sollte Sally wirklich dort versteckt sein, konnte er sie sogleich in seine Arme schließen und ihr seine Liebe gestehen. Danach würde er sie nie wieder gehen lassen, wenn sie ihm genau so liebend zugetan sein sollte.

Kurz vor dem Abendgebet schlichen sich Sir Selwyn und der Detektiv zum Kloster. Ihre Pferde hatte sie im Stall ihrer Herberge gelassen, um nicht aufzufallen. Immer wieder mussten sie dem Nachtwächter ausweichen, der seine Rundgänge durch die Stadt machte. Zum Glück wurde in dieser Nacht der Mond von Wolken verdeckt, so brauchten sich die beiden Heimlichtuer lediglich in eine Nische zu drängen, um seinen wachsamen Augen zu entgehen. Dafür konnte man kaum den Weg erkennen. So bewegten sich die beiden Männer vorsichtig vorwärts, damit sie nicht aus Versehen in Unrat oder anderen Müll traten.

Vor der Klostermauer wuchsen ein paar Büsche, zwischen denen sie ungeduldig auf das vereinbarte Zeichen der Nonne warten konnten. Endlich hörten sie Schritte im Garten, gleich darauf das Signal.

„Kommt, ich helfe Euch hoch, dann Ihr mir“, sagte Garrick mit vor Aufregung klopfendem Herzen und machte eine Räuberleiter. So erreichte Selwyn ohne Mühe den oberen Rand der Mauer. Er zog sich hoch und half dann Garrick nach oben.

Erschrocken keuchte Schwester Magdalena auf, als plötzlich zwei Männer in dunklen Umhängen vor ihr standen, anstatt wie abgesprochen, Garrick Moore allein.

„Mein Gott, was erschreckt Ihr mich so!“, stieß die Nonne aus. „Ihr wolltet doch allein kommen“, sagte sie vorwurfsvoll zu dem Detektiv.

„Entschuldigt. Sir Wellington hat sich kurzfristig entschieden, mir bei der Suche behilflich zu sein“, beschwichtige Garrick die Frau. „Sir Selwyn ist der Gesuchten sehr zugetan und wünscht sich nichts sehnlichster, Miss Sally bald in seine Arme schließen zu können.“

„Sagt doch gleich, der Sir wandelt auf Freiersfüßen.“ Die Nonne lächelte selig. Ihr war es als Braut Gottes leider verwehrt, der Liebe zugetan zu sein.

„Genug mit dem Geschwafel“, fuhr Selwyn dazwischen. „Lasst uns lieber den Keller inspizieren. Süßholz raspeln können wir später.“

„Dann kommt, gehen wir“, sagte die Nonne, die Garrick verliebt angeschaut hatte. Energisch schritt sie den Männern voraus, dem Keller entgegen.


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