Francine

Ein Leben als Hure

 

Auszug aus Kapitel 6

Rachegelüste


Francine gingen die Worte ihres Herrn nicht aus dem Kopf. Während sie sich ein leichtes Negligé anzog, überlegte sie, was er wohl mit dem verhassten Jean vorhatte. Die Worte „Jean wird sich auf ewig daran erinnern, dass er sich nicht an meinem Eigentum zu vergreifen hat“, gingen ihr nicht aus dem Kopf. Die junge Frau bekam Angst, dass ihr Herr den Diener zu hart bestraft, dass er möglicherweise sein Leben lang nicht mehr arbeiten konnte und deswegen in Armut leben musste. Oder noch schlimmer, sein Leben verliert. Letzteres wollte Francine keinesfalls. Aber dass er eine Abfuhr erhielt, schon.

Die Sklavin machte es sich auf ihrem Bett bequem, starrte an die Decke und dachte nach. Die Gedanken schwirrten durch ihren Kopf wie ein Wirbelsturm. Während sie nachdachte, fielen ihr die Augen zu. Immer wieder versuchte sie, wach zu bleiben. Doch die Müdigkeit siegte.

***
„Du versautes kleines Dreckstück“, sagte Francine grinsend zu Jean, der mit auf dem Rücken gefesselten Händen in Monsieur Alberts Gemach vor dessen Bett kniete. Der Diener war nackt und schaute ihr erschrocken entgegen. „Ich sagte dir doch, du wirst dein blaues Wunder erleben. Diesmal bin ich diejenige, die quält und nicht du.“ Francine feixte fies, während sie neben ihrem Opfer stand und überlegte, wie die Bestrafung ausfallen sollte.

„Das darfst du gar nicht“, erwiderte Jean hochnäsig und schaute der Sklavin direkt in die Augen. Doch wie sonst von ihr verlangt, beschämt den Kopf zu senken, hielt sie dieses Mal seinem Blick stand.

„Und ob ich das darf. Monsieur Albert erlaubte mir ausdrücklich, dich zu strafen“, meinte Francine darauf grinsend und überlegte, was sie weiter mit dem aufmüpfigen Diener anstellen sollte. Mit hoch erhobenem Kopf stolzierte die Frau vor ihm auf und ab. Dabei schaute sie ihn mit vor Ekel verzerrtem Gesicht an. „Du bist widerwärtig und vergreifst dich an Eigentum deines Herrn. Das kann und will er dir nicht mehr durchgehen lassen.“

„Du mich bestrafen, dass ich nicht lache. Was will er tun, wenn er außer Haus ist und du mir ausgeliefert bist“, entgegnete der Diener. Er labte sich jedes Mal daran, wenn Francine ängstlich zitternd vor ihm stand und er seine Macht an ihr ausüben konnte. Doch dieses Mal war er am falschen Ende der Kette und musste erdulden, was immer sich Francine ausdachte. Am liebsten hätte er vor der Frau ausgespuckt, ließ es dann aber doch. Er malte sich aus, dass er zur Strafe seine eigene Spucke vom Boden würde auflecken müssen. Dazu wollte er sich keinesfalls erniedrigen lassen. Es genügte, dass er dies bei seinem Herrn tun musste, wenn der ihn bestrafte.

„Du bist dir da sehr sicher“, spöttelte Francine und schaute ihn von oben herab ab.

Jean gab nicht auf, sondern forderte die Frau regelrecht heraus, die Hand gegen ihn zu erheben. War er wirklich so pervers, sich aus purer Lust bestrafen zu lassen. Dazu noch von einer Frau, die eigentlich in der Rangordnung in Monsieur Alberts Haus ganz unten stand.

Francine wurde böse. Sie hob die Peitsche und schwang sie über Jeans Kopf. Doch anstatt ihm ins Gesicht zu schlagen, ließ sie lieber seinem Rücken die Behandlung mit der Reitpeitsche zukommen.

Der Diener zuckte zusammen. Der erlittene Schmerz war noch auszuhalten. So ließ er sich erst einmal nichts anmerken. Monsieur Albert strafte ihn weitaus grausamer als die kleine Sklavin, die hier so plötzlich zur Herrin und Domina mutierte. Der Schlag ließ eher sein Lustlevel steigen.

„Steh auf“, forderte Francine von ihm.

„Du willst mir befehlen?“, stachelte Jean Francines Wut an. Er musste unbedingt wissen, wie weit sie gehen wollte oder konnte. Bisher hatte er sie lediglich als willige Sklavin gesehen, die für eine Frau recht viel aushalten konnte.

„Natürlich befehle ich dir!“, ging sie darauf ein. Sie hatte es bereits geahnt, dass der fiese Diener ihr den Gehorsam verweigern würde. Das konnte sie keinesfalls durchgehen lassen, um vor ihm nicht das Gesicht zu verlieren. „Steh auf! Sofort!“, sagte sie ein wenig lauter. „Oder brauchst du eine weitere Aufmunterung? Dabei ließ sie die Peitsche drohend durch die Luft pfeifen.“

„Ist ja schon gut“, erwiderte Jean grinsend und erhob sich, so schnell es ihm die Fesseln an den Handgelenken ermöglichten. Mühsam kam er auf die Beine. Das selbstsichere Grinsen verließ sein Gesicht nicht. Damit stachelte er Francine noch mehr an.

„Hör gefälligst mit diesem ekelhaften Grinsen auf“, fuhr sie ihn erneut an. Wut machte sich in ihr breit, Wut auf diesen fiesen Kerl, der hier vor ihn Fesseln stand und trotzdem versuchte, sie zu reizen. „Willst du mich herausfordern?“, wagte sie sich zu fragen. Das Zittern in ihrer Stimme konnte sie gerade noch so beherrschen. Jean durfte nie erfahren, welchen Schrecken er ihr bereitete, wenn sie ihn nur aus der Ferne zu Gesicht bekam. Heute war sie die Herrin, die Person, die bestimmte, was mit ihm getan werden sollte. Jean hatte zu gehorchen!

Mit hoch erhobenem Kopf blickte sie ihm nun direkt in die Augen. Obwohl sie nicht abgeneigt war, wegzublicken, hielt Francine dem Blick stand. Ihre Annahme war richtig, dass er sie herausfordern wollte.

Das Spiel um die Macht ging weiter, wobei Jean körperlich im Nachteil war. Gefesselt, wie er war, konnte er seine kräftemäßige Überlegenheit nicht ausspielen. Er wusste aber, wie er Francine gedankenmäßig unterdrücken konnte. Daran, dass ihm dies heute nicht gelingen würde, dachte er bisher noch gar nicht.


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