Sally, fern von zu Hause

Auszug aus Teil 8 -  Kapitel 4


Sally führte den Richter über die große Treppe hinauf in die erste Etage, wo sich Liliths Zimmer befanden. Henri Richardson, der zum ersten Mal im Haus war, schaute sich dabei ein wenig um. Nicht ohne einen winzig kleinen Anflug von Neid musste er feststellen, die Montgomerys lebten recht luxuriös. Das Haus war mit edlen Möbeln bestückt, den Fußboden bedeckten entweder feine Marmorfließen, geschliffenes Holzparkett oder teure Teppiche. Die Wände zierten Gemälde, die wohl Vorfahren Sallys zeigten. Von einem blickte ihm Adrian Montgomery entgegen. Neben dem Bild des verstorbenen Hausherrn hing das von Sallys Stiefmutter Lilith. Auch eines von Sally als Kind war dabei.

„Darf ich Euch meinen Gatten Raimon vorstellen?“, wandte sich Sally an Henri, der zu ihr aufgeschlossen war. „Raimon, das ist Mister Richardson, der Richter aus Trowbridge“, stellte sie auch ihrem Gemahl den Mann vor.

„Mister Richardson, willkommen“, begrüßte Raimon den Richter und reichte ihm seine Hand.

„Leider ist der Anlass unseres Kennenlernens kein Guter“, sagte der Richter, nachdem er den Gruß erwidert hatte. „Schreiten wir nun also zur Tat. Wo finde ich Mistress Lilith?“

„Gleich hier“, antwortete Raimon und zeigte auf die Tür hinter ihm.

Eben kam das Mädchen mit den beiden Bütteln die Dienstbotentreppe herauf. „Gut, dass ihr schon da seid“, rief der Richter seinen Männern entgegen.

„Du kannst dich zurückziehen. Ich brauche dich heute nicht mehr“, sagte Sally leise zu dem Dienstmädchen.

„Danke Mistress. Ich wünsche eine gute Nacht“, entgegnete das Mädchen, knickste höflich und verschwand genau so leise wie es gekommen war.

„Da sind wir, Herr“, meldete sich Larry zur Stelle. „Wie lautet Euer Befehl?“

„Wir gehen jetzt dort hinein“, der Richter zeigte auf die Tür hinter sich. „Dort wird Mistress Lilith gefangen gehalten. Wie ich sehe, habt ihr alles dabei. Fesselt die Dame, egal, wie sehr sie sich auch sträubt.“ Zu Sally und Raimon sagte er aber, sie sollten vor der Tür warten, bis er sie ruft.

„Jawohl, Herr“, erwiderten Vinnie und Larry im Chor. Raimon öffnete die Tür und die beiden Büttel stürmten hinein.

Mistress Lilith saß in einem Sessel, mit dem Rücken der Tür zugewandt. Die Männer bauten sich vor ihr auf. Richter Richardson kam hinzu. „Mistress Lilith Montgomery. Im Namen des Gesetzes und Kraft meines Amtes als Richter von Trowbridge nehme ich Euch in Gewahrsam. Erhebt Euch und streckt Eure Arme nach vorn“, sagte Henri Richardson laut und deutlich.

Lilith aber gab keinen Mucks von sich. Gegen ihre sonstige Gewohnheit wetterte sie auch nicht lauthals.

„Mistress Montgomery, habt Ihr mich verstanden“, sagte der Richter nun noch einmal laut und deutlich. Dabei tippte er an Liliths Schulter. „Ach du lieber Gott“, stieß Henri auf einmal entsetzt aus.