Sally, fern von zu Hause

Auszug aus Teil 8 -  Kapitel 6


Nachdem sich Doktor Armstrong verabschiedet hatte, verließen Raimon und Richter Richardson das Zimmer der Toten. Auf dem Flur kam ihnen Sally entgegen, die eben zu ihnen kommen wollte.

„Der Doktor hat sich bereits verabschiedet. Ihr wisst davon?“, fragte sie die Männer. „Mir wollte er aber nichts über das Ergebnis der Untersuchung sagen. Er hätte es eilig, meinte er.“

„Wir sind garantiert nicht die Einzigen, die ein Anliegen an ihn haben“, erwiderte Raimon lächelnd. „Armstrong ist ein sehr kompetenter Mann. Auch wenn sein Aussehen recht eigentümlich ist. Daran sollte man die Leute ja nicht beurteilen.“

„Armstrong ist der beste Arzt in der Umgebung. Als Leibarzt ist er wärmstens zu empfehlen. Ihr habt ja bald einen nötig in Eurem Zustand“, mischte sich Henri Richardson in das Gespräch der Eheleute ein. „Ich konnte mit Armstrongs Hilfe bereits viele verzwickte Fälle lösen. Gerade Morde mit Gift sind sehr schwer aufzulösen. Bei Mistress Lilith hat er wohl sofort Eins und Eins zusammen gezählt und die richtigen Schlüsse daraus gezogen. Die leere Flasche Laudanum ist mir gestern Abend gar nicht aufgefallen. Nicht einmal die Einstichstelle in der Ellenbeuge der Verstorbenen haben wir entdeckt.“ Man sah es dem Richter an, dass es ihn arg ärgerte, die Male nicht gesehen zu haben.

„So genau haben wir Sallys Stiefmutter gestern Abend auch nicht angesehen, außerdem trug sie ein Kleid mit langen Ärmeln“, sagte Raimon darauf. „Wer hätte denn zu diesem Zeitpunkt geglaubt, dass sie sich selbst vergiftet hat und auch noch mit solch einem bösartigen Mittel.“

„So wie ich es jetzt verstehe, hat Lilith sich selbst das Leben genommen. Ich verstehe nur nicht, warum sie das getan hat“, meinte Sally. Obwohl sie ihre Stiefmutter nie richtig mochte, sie war die Frau, die sie groß gezogen hat. Ein wenig trauerte Sally um sie, aber nicht so sehr wie um ihren geliebten Vater. Ihren Vater vermisste sie sehr, Lilith nicht.

„Eure Stiefmutter hat sich auf zweierlei Arten umgebracht“, erklärte Richter Richardson. „Als erstes nahm sie Laudanum, danach spritzte sie sich Strychnin. Sie muss das Mittel irgendwie flüssig gemacht haben, das gibt es sonst nur in fester Form.“

„Von Laudanum stirbt man aber nicht“, meinte Sally darauf.

„Von Laudanum selbst nicht. Jedenfalls nicht von der Menge, die Lilith wahrscheinlich eingenommen hat. Das Opiat war nur Mittel zum Zweck“, entgegnete Richter Richardson. Dann erklärte er die Theorie Doktor Armstrongs.