Sally, fern von zu Hause

Auszug aus Teil 8 -  Kapitel 7


Aufgeregt eilte Sally zur Eingangstür. Ihre stetig wachsende Leibesfülle erlaubte es ihr nicht, noch schneller zu gehen. Sie konnte es nicht glauben, wen ihr der Butler Walter eben gemeldet hatte. Sabrin konnte keinesfalls bereits hier sein. Sallys Kind war noch nicht geboren und die Taufe des Säuglings stand genau so wenig an. Ihr Bediensteter musste den Namen der Besucherin nicht richtig verstanden haben.

„Sabrin!“, rief sie erfreut, als sie erkannte, der Butler hatte die Wahrheit gesprochen. „Ich dachte schon, unser Walter ist wirr oder hat dich missverstanden. Aber du bist es wirklich. Was machst du hier?“

Die junge Frau vor der Tür lächelte und drückte die Freundin an sich. „Mir kommt es so vor, als wärst du noch dicker geworden“, foppte Sabrin die Kameradin anstatt ihren Gruß zu erwidern. „Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Eine Woche, zehn Tage, oder sind es sogar zwei Monate?“

„Warte nur ab, nicht mehr lange und ich bin wieder rank und schlank wie früher und du kugelst dich durch die Gegend“, erwiderte Sally lachend. „Außerdem, wie sprichst du eigentlich mit mir? Ich bin eine Lady, der man Respekt zollen muss“, ging sie auf Sabrins Witz ein.

„Nun dann, Lady Sally und ich bin die Kaiserin von China“, witzelte Sabrin und hielt Sally eine Armlänge von sich entfernt. „Lass dich anschauen. Gut siehst du aus und so rund.“ Erneut grinste Sabrin.

„Es ist aber trotzdem ganz schön anstrengend mit solch einer Murmel herumlaufen zu müssen. Ich komme mir vor, als wäre ich aufgedunsen wie ein Ballon“, entgegnete Sally. Sie schaute ihre Busenfreundin interessiert an. „Hast du ein neues Kleid?“, fragte sie dann.

„Als ich in London ankam, schenkte es mir Garrick. Er meinte, eine zukünftige Missis Moore müsse gut ausgestattet sein mit Kleidern und schenkte mir gleich noch ein paar mehr“, erwiderte Sabrin.

„Es steht dir und passt ausgezeichnet zu deinem Teint.“

„Garrick hat einen wunderbaren Geschmack. Er trägt mich auf Händen und liest mir jeden Wunsch von den Augen ab“, schwärmte Sabrin, die sich bei Garrick zum ersten Mal in ihrem Leben geliebt fühlte. „Aber sag mal, wo ist dein Göttergatte? Ist er so hochnäsig geworden, dass er nicht einmal eine alte Freundin begrüßt?“

„Er ist nach Trowbridge geritten, um sich mit Richter Richardson und Doktor Armstrong zu treffen. Er wollte sich bei dem Richter nach den Ergebnissen der Recherche in London erkundigen.“

„Dann sei Raimon verziehen. Aufgrund der Nachforschungen sind wir nach Trowbridge gekommen. Nachdem der Bote beim Apotheker vorgesprochen und ihn befragt hatte, besuchte er uns. Mein Bräutigam konnte die letzten Rätsel lösen. Daher haben wir uns kurzerhand entschlossen, den Boten hierher zu begleiten und dem Richter Garricks Erkenntnisse persönlich zu überbringen.“ Sabrin grinste verschmitzt.

„Sag ja nicht, du hast deinen Garrick dazu überredet?“ Erneut grinste Sabrin.

„Also doch! Du bist ein ausgekochtes Mistvieh“, meinte Sally lachend. „Aber was stehen wir immer noch herum. Was bin ich für eine Hausherrin, meinen Gast einfach vor der Tür abzufertigen. Komme erst einmal herein. Hast du Gepäck dabei?“