Sally, fern von zu Hause

Auszug aus Teil 1 -  Kapitel 10


Zusammengekauert wie ein Embryo lag Sally auf dem Bett und starrte auf die Tür, die Blake eben hinter sich zugeschlagen hatte. Tränen verschleierten Blick der gepeinigten jungen Frau. Ihr ganzer Körper schmerzte, vor allem die empfindliche Stelle zwischen ihren Beinen. Vorsichtig griff sie dorthin und befühlte die wunden Stellen. Schmerz, so heftig wie ein Blitz, durchzog sie, sodass sie erschrocken und stöhnend ihre Hand weg zog. Sie fühlte sich beschmutzt und wund. Sally konnte es nicht fassen, dass sie bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit auf schändliche Art und Weise benutzt wurde. Wie konnte das nur geschehen? Waren die Männer wirklich solche Monster, dass sie aus Spaß Frauen benutzten und quälten? Sie begriff es nicht. Dabei war sie vor gar nicht allzu langer Zeit noch im Kreise ihrer lieben Freunde, die sie alle ehrte und liebte.

Die junge Frau versuchte sich aufzusetzen. Doch der Schmerz, der sich von ihrer Mitte aus ausbreitete, war zu stark. So ließ sie sich wieder zurücksinken und zog die Decke über ihren Kopf. Nun flossen die Tränen noch heftiger. Einsam und verlassen verfiel Sally in Selbstmitleid.

***
„Ihr solltet nach Sally schauen“, sagte zur gleichen Zeit Edwina, die sich mit Sabrin und Lani in der Küche befand, zu den beiden Dirnen.

„Irgendwas stimmt da nicht“, erwiderte Sabrin. „Ich nahm an, Sally kommt sofort zu uns, nachdem ihr Freier gegangen ist.“

„Ich mache mir Gedanken um sie“, ließ nun auch Lani verlauten. Die Sorge um die Neue stand ihr ins Gesicht geschrieben. „Komm, gehen wir nachschauen“, sagte sie zu ihrer Freundin und machte sich sogleich auf den Weg in die Kammer, in der Sally ihren ersten Freier empfangen hatte. Sabrin folgte ihr.

„Oh mein Gott“, schrie Lani entsetzt auf, als sie den Raum betreten und die arg zugerichtete Sally erblickt hatte. Sabrin trat hinzu, machte aber sofort auf dem Absatz kehrt, um zu Edwina in die Küche zu rennen. Hier war sofortige Hilfe nötig.

„Schnell, Sally ist schwer verletzt“, schrie sie der Alten entgegen und rannte zurück in die Kammer. Edwina schlurfte gemächlich hinterher. In ihrem Alter war man nun mal nicht mehr so flink wie ein junges Reh.

„Wir hätten sie mit diesem Monster nicht alleine lassen dürfen“, jammerte Lani herzerweichend. „Dieser Blake ist allgemein bekannt, Dirnen sadistisch zu quälen. Einfach so zu seinem Spaß. Aelfric hätte es auch wissen müssen. Aber der sieht wieder nur das Geld.“

„Jammern hilft hier nicht“, schimpfte nun Edwina, die endlich dazu gekommen war. „Du gehst in die Küche und machst heißes Wasser“, bestimmte sie und schickte die weinende Lani weg. „Und du“, wandte sie sich an Sabrin, „geh, hole saubere Leinen und meine Salben. Danach schicke ein Mädchen los, Aelfric suchen. Er soll sofort herkommen und sich die Bescherung ansehen.“

Als die Mädchen gegangen waren, setzte sie sich auf die Bettkante und strich Sally die feuchten Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Armes Ding“, sagte sie beinahe zärtlich. Obwohl sie nie Mutter geworden war, hatte sie plötzlich mütterliche Gefühle für Sally. „Lass mich dich ansehen“, bat sie das Mädchen. „Ich muss sehen, wie schwer du verletzt bist.“

Sally schüttelte nur den Kopf. „Lass mich in Ruhe“, stieß sie hasserfüllt aus. „Du hast es garantiert gewusst, was dieser Mistkerl für einer ist. Und trotzdem hast du es zugelassen, dass er mich nimmt.“ Darauf wusste Edwina keinen Einwand. Sallys Worte waren wahr und sie selbst war genau so schuld an deren Schmerzen wie Aelfric.

„Ich bin ganz vorsichtig“, versprach Edwina. „Deine Wunden müssen versorgt werden, damit sie sich nicht entzünden. Ansonsten könnte es sein, dass du stirbst.“ Sie redete mit Engelszungen auf die Kranke ein, bis sie endlich nachgab.

„Oh weh, oh weh“, murmelte Edwina immer wieder vor sich hin. Es gab fast keine Stelle an Sallys Körper, die nicht von blauen Flecken und Wunden übersäht war. Zu den kleineren Verletzungen, die die Entführer ihr zugefügt hatten, waren noch unzählige mehr dazu gekommen.

„Ich muss dich auch unten untersuchen“, versuchte Edwina nach der äußerlichen Untersuchung Sally zu erklären.

„Bitte nicht“, begann diese erneut zu weinen.

„Es tut mir leid. Ich muss es tun. Wenn du auch dort blutest, kann das fatale Folgen für dich haben. Du könntest verbluten.“ Edwina musste ihre ganze Geduld aufwenden, um das Mädchen von der Wichtigkeit der Untersuchung zu überzeugen.

„Bitte Sally, es ist wichtig. Ich stehe dir bei“, versuchte nun auch Sabrin, die mit Leinen und den Salben zurück in die Kammer gekommen war. Auch sie sprach mit Engelszungen auf die Neue ein.

Sally wehrte sich noch einige Zeit, bis sie endlich nachgab und Edwina ihres Amtes walten ließ. Tapfer stand sie die Prozedur durch und war froh, als die alte Frau fertig war. Nachdem Sally gereinigt und verarztet war, konnte sie sich endlich ausruhen. Lani blieb bei ihr und bewachte ihren Schlaf. 


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