Rieke und der Quacksalber

Kapitel 08


© by sunny768

 

Ungeduldig ging Rieke in Andres Kammer auf und ab. Immer wieder blieb sie stehen und spähte zum Fenster hinaus. Doch unten in der Gasse war immer noch niemand zu sehen. Am liebsten wäre sie Friedbert und Konrad entgegengelaufen, so sehr sehnte sie sich nach einem Wiedersehen mit dem jungen Mann.

„Wo bleiben die nur“, sagte sie aufgeregt zu Else, die neben Andres am Bett stand und die Wadenwickel wechselte.

„Friedbert wird bestimmt gleich mit dem jungen Herrn hier sein“, versuchte Else das Mädchen zu beruhigen. „Er musste ihn vielleicht sogar erst noch wecken. Bedenkt, es ist noch früher Morgen.“

„Du hast gut reden“, fuhr Rieke die Köchin an. „Das Fieber steigt und steigt und wir können nichts dagegen tun. Andres wird vielleicht sterben.“

Else ging zu Rieke, nahm sie in ihre Arme und drückte sie zärtlich an sich. „Liebes, so einfach stirbt es sich nicht“, sprach sie plötzlich ganz mütterlich zu ihr. „Wenn Gott will, dass Euer Bräutigam die schlimme Zeit überlebt, dann wird er überleben. Vertraut auf Gott.“

„Ach Gott… Für was ist der gut, wenn er den Menschen nur Qualen zufügt“, schluchzte Rieke. Die wahren Gefühle, die sie für ihren Bräutigam hegte, zeigte sie niemanden. Als treusorgende Braut musste sie sich nach außen hin so geben, als wäre sie todunglücklich über seine Erkrankung. Dass sein Tod sie vor einer verhassten Ehe retten würde, durfte niemand erfahren. Auch Else nicht, obwohl sie der alten Frau mehr vertraute, als ihrer Mutter, die genau wie ihr Vater mehr auf eine gute Verbindung mit einer reichen Familie achtete, als auf die Liebe. Sie konnte nicht davon ausgehen, dass Rieke ihren Ehemann jemals so lieben würde, wie sie den ihrigen. Nicht nach dem, was Rieke im Lagerhaus mit anhören musste.

Endlich hörte sie von unten, wie die Haustür geöffnet wurde. Gleich darauf Stimmen im Flur. Ihr Vater polterte die Treppe hoch, Konrad im Schlepptau.

„Endlich seid Ihr da“, keuchte der Wollhändler, als er zur Tür hereinkam und dem Heilkundigen seinen Patienten vorstellte. „Hier ist er, mein Schwiegersohn fiebert immer noch. Die Temperatur scheint sogar gestiegen zu sein, obwohl Else ihr Bestes gegeben hat, sie zu senken.“ Wolfhardt war ganz aufgeregt.

Konrad kam ans Bett, um sich den Kranken anzuschauen. Dabei entdeckte er Rieke, die am Fenster stand und ihn wie erstarrt anschaute. Sein Herz machte einen freudigen Hüpfer. Doch er durfte sich die Freude nicht anmerken lassen.

Auch Rieke war erfreut, Konrad zu sehen. Sie hoffte, ihn nach der Behandlung kurz sprechen zu können, auch wenn dies nur eine einzige Minute möglich war. Unbedingt musste sie ihn wiedersehen, komme was wolle.

Der Heilkundige riss sich aus seinem Tagtraum und wandte sich erneut dem Patienten zu. Er horchte an seiner Brust, als könne er damit erkennen, welch böse Krankheit darin wütete. Dabei wurde er vom Hausherrn argwöhnisch beobachtet. Gerade wollte der etwas sagen, als Else ihn bat, kurz auf den Flur zu gehen, da ihm Friedbert etwas sagen müsste.

„Wenn es unbedingt sein muss“, knurrte Wolfhardt und folgte der Magd hinaus. Dort erwartete ihn wirklich sein Knecht, der ein noch besorgteres Gesicht machte als er selbst. „Was gibt es so Wichtiges?“, fuhr er den Knecht an.

Friedbert ließ sich von der Grimmigkeit seines Dienstherrn nicht beeindrucken. „Herr“, sagte er, „mit dem Heiler ist etwas nicht in Ordnung. Als ich ihn hierher begleitete, versuchte er, zu fliehen. Irgendetwas verbirgt er. Da ist was ganz faul.“


Das komplette Kapitel finden Sie bei

www.elpforum.de
www.elpforum.de