Rieke und der Quacksalber

Kapitel 09


© by sunny768

Fröhlich vor sich hin pfeifend lief Konrad durch die Gassen zurück zum „Bären“. Dass er das Haus Wollhaupt mit heiler Haut verlassen konnte, grenzte für ihn schon an eine Unwahrscheinlichkeit. Dazu hatte er es geschafft, den Hausherrn von seinen angeblichen Künsten zu überzeugen. Konrad wusste, irgendwann würde er auffliegen. Bisher war immer alles gut gegangen und wenn er doch mal wieder in eine Zwickmühle geraten sollte, war der Patriarch der Gauklertruppe für ihn da. Ein paar Mal hatte er ihm schon den Hals aus der Schlinge gezogen. Wie oft er das noch tun würde, stand in den Sternen.

Konrad überlegte, ob er Arnstadt lieber verlassen und sein falsches Spiel in irgendeiner anderen Stadt fortführen sollte, wo ihn niemand kannte. Das Pflaster hier war heiß, fast zu heiß. Er spürte bereits das Schwert des Henkers an seinem Hals, was er als kein gutes Omen ansah. Doch dann fühlte er in seiner Rocktasche den Gulden, den ihm der Wollhändler für die Behandlung seines Schwiegersohnes zugesteckt hatte. Geld zog Konrad schon immer magisch an. Je mehr, desto besser.

Diesem Friedbert, der ihm die Nachricht überbracht und zum Haus Wollhaupt begleitet hatte, traute er nicht über den Weg. Schon auf dem Weg zu den Wollhaupts hatte er ihn ständig so komisch angeschaut, als würde er hinter seine Stirn blicken wollen. Und dann beim Wollhändler, als er plötzlich seinen Herrn sprechen wollte, bekam Konrad beinahe einen Herzinfarkt. Er nahm schon an, der Knecht wolle ihn bei seinem Herrn schlecht machen. Aber seine Angst war unbegründet. Als der alte Wollhaupt zurück in die Kammer kam, benahm er sich um keinen Deut anders als vorher. Falls er Verdacht geschöpft haben sollte, konnte er dies bestens verbergen.

Dann dachte Konrad an den sonnigsten Moment dieses Morgens. Rieke, die Tochter des Hauses, der er in der Kammer des Kranken endlich wieder begegnet war. Wie sie ihn mit ihren großen leuchtenden Augen angeschaut hatte, ließ sein Herz schmelzen wie Butter in der Sonne. Diese Augen, die ihn durchbohrten wie ein spitzer Dolch und ihn genau ins Herz trafen. Ihr Lächeln, so lieblich… Konrads Herz schlug Purzelbäume. Als sie dann noch um ein heimliches Treffen bat, war er der glücklichste Mann auf der ganzen Welt. Schon als er Rieke das erste Mal sah, war er hin und weg. Er musste dieses Mädchen haben, komme was wolle. Alles würde er dafür tun, um sie endlich in seinen Armen halten zu können. Vielleicht würde sie sogar mehr erlauben, als nur einen heimlichen Kuss oder eine Umarmung.

Einen Haken hatte Rieke leider. Sie war versprochen. Das sah Konrad als Hürde an. Aber womöglich war sie gar nicht so glücklich damit, wie sie vorgab zu sein. Warum bat sie ihn dann um ein Treffen? Das musste er unbedingt in Erfahrung bringen.


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