Rieke und der Quacksalber

Kapitel 11



© by sunny768

Als Rieke die böse klingende Stimme hinter sich vernahm, sprang sie erschrocken von Konrads Schoß. Auch der Mann fuhr wie von der Tarantel gestochen von der Bank hoch. Dabei riss er Rieke beinahe von den Füßen. Gerade noch so konnte sie sich an ihm festhalten, sonst wäre sie in den Dreck gestürzt.

„Wer hat das zu bestimmen“, knurrte Konrad den riesigen Kerl an, der vor drohend ihm stand. Konrad plusterte sich wie ein Kampfhahn auf.

„Das geht Euch gar nichts an. Ihr braucht Euch gar nicht so aufzuplustern, ich weiß, wer Ihr seid und wo ich Euch finden kann. Was bildet Ihr Euch eigentlich ein, eine tugendhafte Jungfer zu verführen?“, entgegnete der, immer noch sehr zornig. Er machte einen Schritt auf Rieke zu. „Bedeckt gefälligst Eure Blöße, Fräulein Rieke“, befahl er ihr. Seine Stimme verhieß nichts Gutes. Daher tat das Mädchen lieber, was der Mann verlangte. Doch irgendwie kam ihr die Stimme bekannt vor. Jedenfalls kannte er ihren Namen.

„Friedbert, bist du das?“, fragte sie ängstlich. „Hoffentlich ist das nicht der Knecht, der mich bei diesem Stelldichein ertappt hat“, dachte sie sich noch. Ihr Wunsch blieb jedoch nur ein Wunsch.

„Ihr habt richtig erkannt, der bin ich wahrlich“, erwiderte der Knecht. „Kommt nach Hause“, sagte er noch zu ihr. „Doch vorher richtet lieber Euer Mieder. Eure weiblichen Attribute sind nicht für jedermanns Augen gedacht. Wenn Ihr so gesehen werdet, denken die Leute, ihr seid eine liederliche Person.“ Er griff nach Riekes Hand und zog sie einfach mit sich fort.

„Und Ihr da, Ihr Haderlump, macht lieber, dass Ihr aus der Stadt verschwindet“, rief er Konrad noch zu, der wie ein begossener Pudel neben der Bank stand. Da hatte er das Mädchen so weit, sich ihm hinzugeben und da wurde ihm ein Strich durch die Rechnung gemacht. Vor sich hin schimpfend wandte er sich ab.

„Konrad, sehen wir uns wieder“, rief Rieke ihm noch zu, eine Antwort bekam sie leider nicht. Konrad hatte sie zwar gehört, doch eine Antwort blieb er ihr schuldig. Die Jungfer konnte er sich abschminken. Sie war für ihn unerreichbar geworden.

„Friedbert, woher wusstest du, dass ich hier war“, fragte Rieke den Knecht, der mit einem grimmigen Gesichtsausdruck neben ihr herlief.

„Fräulein Rieke, Ihr denkt doch wohl nicht, dass Ihr Euch unbeobachtet nachts einfach durch die Stadt schleichen könnt“, erwiderte Friedbert, nun doch ein wenig grinsend, als das Mädchen ihn erschrocken anschaute.

„Aber, wann, wo... ich begreife das nicht“, sagte sie, immer noch ganz baff.

„Vergesst nicht, ich kenne die Stadt sehr viel länger und besser als Ihr“, meinte der Knecht. Dabei schritt er so schnell aus, dass Rieke Mühe hatte, ihm zu folgen. „Denkt ja nicht, Ihr könnt mir entwischen. Ich lasse Euch erst aus den Augen, wenn ich Euch Eurem Vater übergeben habe.“


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