Rieke und der Quacksalber

Kapitel 13


© by sunny768

„Wir müssen unbedingt etwas unternehmen. So kann das keinesfalls weitergehen. Es sterben immer mehr Leute in der Stadt. Es traten zwar keine neuen Fälle auf, doch Todesfälle unter den Erkrankten gibt es immer noch“, schimpfte einer der Ratsherren. Wolfhardt hatte die Herren des Rates erneut zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen. Die Lage in der Stadt hatte sich immer noch nicht beruhigt.

„Mir wurde das bereits zugetragen“, knurrte Wolfhardt zurück. Seine Ahnung hatte sich scheinbar bewahrheitet. Er konnte es nicht glauben, einem Lügner und Betrüger auf den Leim gegangen zu sein. „Dieser Klausner mit seinem angeblichen Heilmittel hielt auch nicht das, was er uns versprach“, gab er dann doch zu, was ihm recht schwer fiel. Wer gab schon gerne zu, sich geirrt zu haben und hinters Licht geführt worden zu sein.

„Vom Scharfrichter hörte ich, der Kerl wäre äußerst unzuverlässig“, gab ein anderer sein Wissen preis. „Außerdem wäre er bereits sehr oft vom Henker ermahnt worden, seine Arbeit ordentlich zu erledigen. Das hätte allerdings bisher nicht gefruchtet, eher das Gegenteil wäre der Fall.“

„Dem müssen wir unbedingt einen Riegel vorschieben“, erklärte Wolfhardt. „Am besten, wir stecken den Kerl erst einmal in den Kerker“, meinte er noch, „wenn wir die Epidemie bekämpft haben, können wir uns immer noch um ihn kümmern.“

„Ich glaube kaum, dass er freiwillig zugibt, uns belogen und betrogen zu haben“, sagte einer der Zunftmeister dazu.

„Für was haben wir den Henker?“, fragte der Wollhändler grinsend. „Unser Meister Hans hat bisher jeden zum Reden gebracht.“

Alle Ratsherren redeten aufgeregt durcheinander, bis Wolfhardt sie erneut energisch um Ruhe bat. „Hat jemand Einwände gegen eine Verhaftung?“, wollte er wissen.

Alle stimmten zu und somit war es beschlossene Sache, den Klausner in Gewahrsam zu nehmen und durch den Scharfrichter befragen zu lassen.

***
Als Wolfhardt am Abend zurück nach Hause kam und sich alle zum Abendmahl versammelt hatten, bat er seine Familie, ihm zuzuhören. Wie immer, wenn er nicht gerade außer Haus zu tun hatte, war auch Andres anwesend, der dem Hausherrn interessiert entgegen schaute. Seiner Frau hatte Wolfhardt bereits die Neuigkeit verkündet und ihr das Versprechen abgenommen, der Tochter und auch den anderen Familienmitgliedern keinesfalls vor dem Abendmahl über sein Vorhaben etwas zu verraten. Augusta war davon zwar nicht besonders begeistert, vor allen Dingen auch, weil sie wusste, wie sehr sich die Tochter gegen diese Vermählung sträubte. Doch gehorchte sie ihrem Gemahl des lieben Friedens willen.


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