Rieke und der Quacksalber

Kapitel 15


© by sunny768

Unschlüssig stand Andres vor Riekes Kammertür. Leise klopfte er an und bat darum, eintreten zu dürfen. Ob seine Braut bereits schlief oder genau wie er, vor Aufregung kein Auge zu bekam?

„Rieke, schlaft Ihr schon“, machte sich Andres nochmals bemerkbar. Doch Antwort bekam er nicht. „Rieke, so öffnet doch!“, rief er nun bereits etwas lauter. In Riekes Kammer rührte sich immer noch nichts. „Rieke! Öffnet bitte!“, Andres wurde immer unruhiger.

„Was ist denn hier zu nachtschlafender Zeit für ein Lärm?“, hörte er plötzlich die Stimme seines angehenden Schwiegervaters hinter sich. „Was tut Ihr vor der Tür meiner Tochter?“, knurrte der noch, als er Andres erkannte.

Der junge Mann brachte kein Wort heraus. Was wollte er eigentlich vor der Tür seiner Braut und das auch noch mitten in der Nacht. „Ich wollte zu Rieke und mit ihr wegen der Vermählung sprechen“, konnte Andres endlich hervorbringen. „Beim Abendmahl spürte ich, dass sie sich mit dem Gedanken, mit mir verheiratet zu werden, immer noch nicht anfreunden konnte.“

Wolfhardt starrte Andres erstaunt an. Ihm war bisher noch nicht aufgefallen, wie es um die Gefühle seiner Tochter stand. „Schauen wir mal in Riekes Kammer nach“, sagte er und öffnete die Tür.

In der Kammer war alles still. Der Wollhändler trat mit der Kerze in der Hand zum Bett. „Das gibt es doch nicht!“, stieß er hervor. „Das Bett ist leer!“

Andres stürzte hinzu. „Wo kann sie nur sein? Ist sie womöglich geflüchtet?“, fragte er. „Ich bin an allem schuld“, fing er an zu schluchzen.

„Warum solltet ihr schuld an Riekes Verschwinden sein?“, fragte Wolfhardt erstaunt. „Sie wusste, dass sie in Bälde vermählt werden sollte. Das ist kein Grund, bei Nacht und Nebel ohne ein Wort zu verschwinden.“ Der Hausherr sprach so laut, dass seine Gattin ebenfalls wach wurde und ihr Zimmer verließ.

„Ihr seid heute so laut, ich bekomme kein Auge zu. Morgen wird ein harter Tag werden mit den letzten Vorbereitungen zur Hochzeit“, schimpfte die Frau. Als sie Riekes leeres Bett bemerkte, schrie sie auf: „Wo ist meine Tochter?“ Händeringend und tränenüberströmt lief Augusta aufgeregt hin und her. „Ich hätte auf ihre Hinweise hören sollen“, jammerte sie herzerweichend.

„Welche Hinweise?“, fragte Augustas Gatte nach.

„Rieke berichtete mir von delikaten Dingen, die sie im Lagerhaus aus dem Munde ihres Bräutigams gehört hatte“, erklärte Augusta immer noch schluchzend. „Was habt Ihr Euch nur gedacht, meine Tochter wie ein Stück Vieh behandeln zu wollen!“, fuhr sie Andres an.

„Wie meint Ihr?“, wollte er wissen. Er konnte sich nicht vorstellen, was er gesagt haben sollte, das seine Braut dermaßen beleidigt haben könnte. Augusta berichtete nun, was die Tochter gehört hatte.

„Ja, das waren meine Worte“, gab Andres bedrückt zu. Auch der Vater nickte zustimmend.

„Wir sind auch einfach miteinander verheiratet worden, ohne dass wir uns liebten“, versuchte Wolfhardt Andres zu verteidigen. „Bist du deswegen bei Nacht und Nebel von zu Hause geflüchtet?“, sagte er dann noch zu seiner Frau.

„Nein, natürlich nicht. Doch du hast nie so abwertend über mich gesprochen“, erwiderte Augusta. „Ihr seid meiner Tochter einiges schuldig“, sagte sie nun zu ihrem Schwiegersohn. „Doch wichtig ist nun, sie zu finden.“

„Ich werde sie suchen gehen“, ließ Friedbert, der nun auch dazu gekommen war, vernehmen. „Ich glaube, ich weiß bereits, wo ich das Fräulein finden kann.“

„Dann eile und suche mein Kind“, rief Augusta aufgeregt.

Friedbert zog sich seine Kleidung über und verließ mit einer Laterne in der Hand das Haus durch den Hinterausgang.


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