Francine

Auszug aus Kapitel 8 


Sich genüsslich streckend räkelte sich Francine unter ihrer Bettdecke. Es war darunter mollig warm und sehr behaglich. Nur unwillig öffnete sie die Augen. Den Traum, den sie eben erlebt hatte, wollte sie am liebsten nicht gehen lassen. Dazu war er viel zu schön. Doch was war das? Verwirrt drehte sich die Sklavin auf die Seite, öffnete ihre Augen und blickte geradewegs in das lächelnde Gesicht ihres Herrn. Schon wollte sie aufspringen und sich den Regeln gerecht benehmen. Monsieur Albert würde es niemals gutheißen, dass sie mitten am Tag so faul im Bett lag.

 

„Warte“, rief Albert allerdings und hielt sie zurück. „Bleib liegen. Es ist so schön, dich neben mir zu fühlen.“ Er zog die junge Frau in seine Arme.

 

„Aber…“, versuchte Francine, sich aus seinen Armen zu winden.

 

„Nichts aber!“, erwiderte Albert mit seinem befehlsgewohnten Ton. Dieser bewegte Francine sofort dazu, zu gehorchen. Doch dann nahm seine Stimme wieder einen zärtlich klingenden Ton an. „Bitte, hör mir zu“, sagte er mit einem Lächeln zu ihr.

 

Francine sah ihren Herrn fragend an und nickte nur. In ihrem Inneren grummelte es, als hätte sie Bauchschmerzen. Sie wusste, ihrem Gebieter jetzt zu widersprechen, würde nur eine Strafe nach sich ziehen.

 

„Ich habe mir Gedanken gemacht“, begann Albert nach einer Weile ein wenig zögerlich. „Gedanken über uns.“ Er sah Francine an, die seinen Blick offen erwiderte. Als sie etwas sagen wollte, verschloss Albert ihre Lippen mit einem Finger und sprach weiter. „Ich bin zu einem Ergebnis gekommen, das uns beide betrifft.“

 

Francine wurde es erneut übel. Sollte ihr Herr nicht zufrieden sein mit ihr als seine Sklavin? Sollte sie womöglich sein Haus verlassen und erneut einer ungewissen Zukunft als Dirne in einem Pariser Bordell entgegenblicken? Zu ihrem Ehemann wollte sie keinesfalls zurück, ins Freudenhaus von Madame Agnes auch nicht. Was sollte sie nur tun? Sie war der Verzweiflung nahe.

 

„Ehe du Fragen stellst, lass mich bitte ausreden“, sagte Albert nun, der Francines Reaktion genauestens beobachtet hatte. „Francine, meine Liebe, zwischen uns besteht etwas ganz Besonderes. Etwas, das ich nie für möglich gehalten habe. Du bist die beste Sklavin, die ich jemals mein Eigen nennen konnte. Und doch bin ich der Meinung, du hast es nicht verdient, wie ein Stück Dreck behandelt oder erniedrigt zu werden.“ Albert machte eine kurze Pause. Er wusste, er durfte Francine jetzt nicht erschrecken. „Nein, bitte habe keine Bange. Ich will dich nicht wegschicken. Das liegt mir fern. Ich möchte viel lieber, dass du bei mir bleibst. Für immer!“ Albert stand auf und kniete sich vor das Bett. Er nahm Francines Hand und küsste sie innig. Dann sah er zu ihr auf, direkt in ihre Augen. „Francine, ich liebe dich, mehr als ich jemals einen anderen Menschen geliebt habe.“ Albert errötete sogar, als er weitersprach. „Francine, bitte werde die Frau an meiner Seite, werde meine Madame Albert. Ich kann dir gerade eben zwar keinen Ring anbieten, doch bitte erhöre mich.“  

 

 

Wie zu einer Statue erstarrt, blickte Francine ihren vor ihr knieenden Herrn herab. Sie wusste nicht, was sie ihm antworten sollte. War das wirklich wahr, was sie eben von ihm vernommen hatte. 


Weiter geht es bei

oder bei