Gerold und die Weiblichkeit

Band 2 - Kapitel 09

Aufregung um Gerold


© by sunny768

Fragend wurde Gerold von Bartel angesehen.

„Du scheinst schwer von Begriff zu sein“, sagte Gerold zu seinem Wachkollegen, als er erkannte, sein Kamerad begriff den Zusammenhang des Einbruchs und der Tür immer noch nicht. „Die Gefangenen sind immer noch gefangen und die Einbrecher ebenfalls.“

Endlich ging Bartel ein Licht auf. „Du bist ein wahrer Filou! Wenn ich dich nicht hätte“, rief er erfreut aus und umarmte Gerold überschwänglich. „So ein Glück für uns!“

„Weshalb Glück für euch?“, hörten sie auf einmal die Stimme ihres Vorgesetzten von der Tür her. Erschrocken wandten sich die beiden Ertappten um. Michel stand wirklich am Eingang des Wachhäuschens und schaute sie mit hochgezogenen Augenbrauen an.

„Hm, ja… wie soll ich es sagen“, begann Bartel zu stottern.

„Bartel musste eilig zum Abort und sich erleichtern. Er hat heute etwas Bauchgrimmen, was ihn ein wenig zu schaffen macht. Deshalb dauerte seine Sitzung etwas länger als normal. Das bot sich zwei Nichtsnutzen an, ihre hier eingekerkerten Kumpane befreien zu wollen“, wurde Bartel von Gerold unterbrochen. Gerold hatte erkannt, dass sein Kollege an Erklärungsnot litt.

„Willst du damit sagen, die Gefangenen konnten entfliehen?“, fragte Michel bestürzt.

„Das nicht, nein“, erwiderte Gerold. „Obwohl ich von den Unholden niedergeschlagen wurde, konnte ich sie festsetzen.“

„Und wo sind sie jetzt?“, wollte Michel nun wissen, worauf Gerold erneut auf die verbarrikadierte Kerkertür zeigte.

„Leider nicht in einer Zelle, sondern im Gang oder auf der Treppe nach oben“, gab Gerold zu. „Doch fliehen können sie trotzdem nicht.“

„Wie viele sind es?“, fragte Michel.

„Insgesamt vier“, erwiderte Gerold, „zwei davon haben mich überfallen und danach ihre eingesperrten Kumpane befreit.“

Michel überlegte. „Es ist besser, wir kerkern sie wieder ein“, sagte er nach einiger Zeit. „Ausreißen können sie wirklich nicht, da es nur diesen einen Ausgang und keine Fenster gibt. Doch ein Risiko eingehen möchte ich auch nicht. Es ist ebenfalls gut, dass wir derzeit nur zwei Eingekerkerte haben, die befreit werden konnten. Aber warten wir trotzdem, bis die beiden Streifen von ihrem Rundgang zurück ist. Dann sind wir in der Überzahl. Mit deren Hilfe dringen wir in den Kerker ein. Du Gerold, hältst solange hier oben Wache. Der Schlag auf den Kopf hat dich bestimmt ein wenig geschwächt und du bedarfst Schonung.“

Gerold wollte widersprechen, doch Michel wehrte ab. „Keine Widerrede“, befahl er seinem Untergebenen. Er konnte es sich nicht leisten, ein Risiko einzugehen oder Gerolds Gesundheit noch weiter zu gefährden.

„Danke“, flüsterte Bartel Gerold leise zu, nachdem Michel die Wachstube verlassen hatte, um zu schauen, wo die beiden Streifen blieben.

„Nichts zu danken“, erwiderte Gerold nur und setzte sich wieder an den Tisch. Er fühlte sich wirklich ein wenig unwohl und Kopfschmerzen hatte er auch. Plötzlich drehte sich die ganze Stube vor seinen Augen wie ein Karussell, ihm wurde nun zu allem Pech noch schwindelig. Dicke Schweißtropfen bildeten sich auf seiner Stirn, seine Gesicht nahm die Farbe einer weiß getünchten Wand an.

„Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte Bartel besorgt, als er Gerolds blasses Gesicht bemerkte.

„Ja, ja“, konnte Gerold gerade noch ausstoßen, dann fiel er wie ein nasser Sack besinnungslos zu Boden.

„Gerold, was ist mit dir?“, rief Bartel erschrocken, als er seinen Wachkollegen ohne Sinnen zu Boden gehen sah. Er sprang zu ihm und legte ein Ohr auf dessen Brustkorb. Zum Glück konnte er Gerolds Herz kräftig schlagen hören.

„Auch das noch“, stieß Bartel entsetzt aus. Er rüttelte Gerold leicht, doch kein Erfolg. Gerold blieb ohnmächtig. Vorsichtig bettete er den Kopf seines Freundes auf seiner Jacke, die er schnell zusammengeknüllt hatte. Dann lief er aus der Wachstube und suchte Michel. „Schnell, Michel, komm her, der Gerold ist zusammen gebrochen“, rief er seinem Vorgesetzten zu, der an der Hausecke stand und sich augenscheinlich langweilte.

Michel ging sofort zurück zur Wachstube. „Was ist mit Gerold?“, fragte er aufgeregt. Er kniete sich neben den am Boden liegenden Mann. Auch er horchte an dessen Brust. „Hm“, sagte Michel, „da scheint alles in Ordnung zu sein.“ Doch dann bemerkte er, dass sich die Jacke unter Gerolds Kopf immer mehr rot verfärbte. Vorsichtig drehte er seinen Kameraden auf die Seite. Erst jetzt sah er die klaffende Wunde an dessen Hinterkopf. „Oh Mist, das sieht wahrlich nicht gut aus“, stellte Michel fest. „Den Gerold hat es arg erwischt. Wann wurde er so verletzt?“

„Keine Ahnung“, erwiderte Bartel. „Bestimmt bei dem Überfall vorhin. Er hat auch nichts gesagt, dass er eine Verletzung davon getragen hat. Er meinte auch nur, dass er einen Schlag auf den Hinterkopf bekommen hat. Dann fiel er einfach um. Seitdem ist er ohne Sinnen.“

Plötzlich hörten die Beiden ein Krachen hinter der verbarrikadierten Kerkertür, gleich darauf ein lautes Schimpfen. Schwere Tritte polterten die Treppe hinauf und an der Tür wurde heftig gerüttelt.

„Du dämlicher Depp“, schrie ein Mann, „kannst du nicht aufpassen! Du rennst mich ja gleich um den Haufen!“

„Hartmann, du bist selber ein Depp. Sehen wir lieber, wie wir hier entkommen können.“

„Schrei nur noch lauter meinen Namen. Da weiß gleich jeder da draußen, wer ich bin“, schimpfte der als Hartmann angesprochene Mann. Es folgte ein Klatschen und ein schmerzerfülltes Stöhnen.

„Weswegen schlägst du mich jetzt schon wieder“, jammerte die andere Stimme.

„Dafür, dass wir so blöd waren und alle beide in den Kerker hinunter gingen, um unsere Freunde zu befreien. Einer von uns hätte aufpassen müssen, dass der verbliebene Wachmann die Tür nicht verriegeln kann. Nun haben wir den Salat.“

„Wer konnte denn ahnen, dass der so schnell wieder zu sich und auf die Beine kommt“, wehrte sich der andere gegen die Vorwürfe. „Außerdem war er gefesselt und geknebelt.“

„Wir wissen auch ohne Namen, wer ihr seid. Schon lange Zeit suchen wir nach euch. Nun seid ihr uns endlich ins Netz gegangen, ergebt euch und gesteht eure Untaten“, rief Michel zur Tür hin, als dahinter wieder Stille herrschte. Dann wandte er sich erneut Gerold zu. „Lauf schnell zum Henker. Er soll herkommen“, befahl er Bartel.

„Aber…“, begann Bartel zu stottern.

„Geh endlich, oder ich mach dir Beine“, schimpfte Michel und scheuchte Bartel hinaus.


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