Gerold und die Weiblichkeit

Band 2 - Kapitel 10

Zärtlichkeiten


© by sunny768

Während Marianna sich im Untergeschoß befand und von Meister Hans Instruktionen erhielt, erwachte Gerold aus seiner Bewusstlosigkeit. Erschrocken fuhr er hoch, doch ein heftiger Schmerz schoss durch seinen Kopf. Aufstöhnend sank er zurück in sein Kissen. Er griff sich an den Kopf und bemerkte dort einen Verband. Gewaltsam zwang er sich, ruhig zu bleiben und den pochenden Schmerz zu ignorieren. Wo befand er sich nur und warum trug er einen Verband um seinen Kopf? Schemenhaft erkannte er sein Schlafzimmer, das er gemeinsam mit seiner Marianna in Meister Sebalts Haus bewohnte. Wie und warum er nun hier war, wusste er nicht. Er konnte sich nur noch daran erinnern, dass er Nachtdienst im Wächterhäuschen hatte und er dort einen Schlag auf den Kopf bekommen hatte.

Doch jetzt darüber nachzudenken, hatte er weder Lust noch Laune. Das einzige, was ihn quälte, waren ganz gemeine Kopfschmerzen, die sich anfühlten, als würde jemand mit einem Hammer auf seinen Schädel einschlagen. Dazu war ihm auch noch speiübel. Er fühlte sich geschwächt und ausgelaugt. Gerold fielen erneut die Augen zu, sanft schlummerte er abermals ein.

Als Marianna zurück in ihre Stube kam, schlief Gerold den Schlaf der Gerechten. Er sah blass aus. Sein Gesicht war eingefallen und unter den Augen zeichneten sich dunkle Ringe ab. Doch sein Atem ging regelmäßig, was Marianna ein wenig beruhigte.

Seine Ehefrau setzte sich neben ihren Mann auf das Bett. Mit einem Lächeln im Gesicht schaute sie ihn an. Sie dachte zurück an die Zeit, als sie sich kennengelernt hatten. Damals wäre ihr niemals in den Sinn gekommen, dass sie und Gerold jemals ein Paar werden könnten. Vor allen Dingen die Umtriebigkeit, die er in der Burg an den Tag legte, machte ihr Sorgen, ja, sie schreckte sie sogar ab, Kontakt mit ihm zu haben. Ihr gefiel es keinesfalls, ihn ständig mit verschiedenen Frauen anbändeln zu sehen. Kein Rock war vor ihm sicher.

Diesen anfangs verdreckt ankommenden Mann hatte sie allerdings sogleich in ihr Herz geschlossen, auch wenn sie dies nach außen hin nicht zeigte. Immerhin war sie damals noch mit Godfrey, dem Pferdeknecht auf der Burg liiert und eine Eheschließung mit diesem stand bevor. Gerolds Frechheit rettete sie in letzter Sekunde vor einem Fehlgriff. Immerhin kannte er sie gar nicht und dennoch wagte er sich, ihr sogleich Avancen zu machen. Seitdem war eine lange Zeit vergangen und sie beide hatten viel erlebt, Gutes und auch weniger Gutes. Dass sie sich ihm dann doch zugewandt hatte und ihm das Ja-Wort gegeben hatte, bereute sie keine einzige Minute. Und nun sah sie ihren Geliebten bereits zum zweiten Mal verletzt und krank vor sich liegen.

Vorsichtig zog Marianna Gerolds Bettdecke zurecht, die er im Schlaf von sich gestrampelt hatte. Gerold bemerkte von allem nichts. Er schlief tief und fest. Auch Marianna überwältigte die Müdigkeit. Sie löschte das Talglicht, legte ihr Brusttuch beiseite und legte sich an Gerolds Seite. Unter seiner Decke kuschelte sie sich dicht an ihn. Außer einer Bruche und seinem Hemd trug er nichts am Leib. So hatte sie fast unbehindert Körperkontakt zu ihrem Liebsten. Seine Körperwärme übertrug sich auf sie, was sie wohlig seufzen ließ. So heimelig müsste es immer sein.

Gerold erwachte und brummte leise vor sich hin, als er bemerkte, wie sich Marianna neben ihn legte. Er wollte sich auf die Seite drehen, damit er sie in seine Arme schließen konnte. Doch ein heftiger Schmerz im Kopf, der durch die ruckartige Drehung entstand, hielt ihn davon ab. Sterne blitzten vor seinen Augen wie ein Feuerwerk. „Autsch, verflixt nochmal“, knurrte er und griff sich an die Stirn, hinter der sich der arge Schmerz ausbreitete.

„Nicht bewegen, Liebster“, flüsterte Marianna ihm ins Ohr. „Meister Hans sagte, du sollst deinen Kopf so wenig wie möglich bewegen, damit sich dein Gehirn erholen kann. Der Schlag, den du von einem der Schurken erhalten hast, war nicht ohne. Du kannst von Glück reden, dass Du nicht noch schwerer verletzt wurdest.“

„Aber so kann ich dich doch gar nicht in die Arme nehmen“, murrte Gerold, blieb aber dann doch ruhig liegen, als eine weitere Schmerzwelle durch seinen Kopf schoss. „Sag mir lieber, wie ich hierher gekommen bin.“

„Ach Liebster, das ist doch nicht so schlimm“, erwiderte Marianna. „Wir liegen doch nah beieinander. Das ist auch schön. Ruhe dich lieber aus, du bist verletzt. Ich erkläre dir später, wer dich hergebracht hat.“ Marianna kuschelte sich noch enger an Gerold heran, der es sichtlich genoss, so neben seiner Frau zu liegen, auch wenn er dazu gezwungen war, sich so wenig wie möglich zu bewegen. Die ständigen Nachtdienste, die er in der letzten Zeit schieben musste, hatten ihrer intimen Zweisamkeit leider einen Riegel vorgeschoben. Während er nachts Wache schieben musste, schlief Marianna und tagsüber war es umgekehrt: Marianna arbeitete, während Gerold schlief. Die kurze Zeit, die sie abends miteinander hatten, verbrachten sie meist zusammen mit Meister Sebalt und Dorlein in der Küche.

Auch Marianna sehnte sich sehr nach Intimitäten. Erst jetzt, nachdem sie neben Gerold lag und seine Nähe und Wärme genoss, wurde ihr dies bewusst. Obwohl ihr Liebster körperlich angeschlagen war und unbedingt Ruhe benötigte, ritt sie der Teufel. Wenn sie schon auf Zärtlichkeiten verzichten musste, konnte sie ihm welche zuteilwerden lassen. Zärtlich streichelte Marianna über Gerolds Bauch. Ihr Finger zogen Kreise, erst auf der Brust, dann über seinen Bauch.

Gerold lag wie gebannt neben ihr und wagte sich kaum, zu atmen. Zu sehr wünschte er sich, ihre Hand möge sich in tiefere Regionen verirren, sogleich erwachte seine unverletzte Männlichkeit. Als ihre Finger dann doch in die gewünschte Region hinabglitten, hielt er den Atem an. Dann stieß er ihn heftig aus und streckte sich aufstöhnend der liebkosenden Hand entgegen. Seine Kopfschmerzen und die Übelkeit schienen mit einem Mal wie von Geisterhand verjagt, verschwunden zu sein.


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