Rieke und der Quacksalber

Kapitel 01


© by sunny768

Arnstadt, im Spätsommer des Jahres 1520

Wie ein junges Rehkitz hüpfte Rieke aufgeregt neben ihrer Mutter die Gasse, die zum Markt führte, entlang. Heute war Markttag in Arnstadt. Ihre Mutter wollte dort nach Stoffen für neue Kleider schauen. Diesmal sollte Rieke auch neue bekommen. Zeit wurde es dazu. Ihre alten Kleider sahen längst nicht mehr so schön aus, viele waren auch zu kurz oder auch aus der Mode gekommen. Obwohl sie sehr sorgsam damit umging, sah man ihnen den langen Gebrauch längst an. Außerdem sah sie einer baldigen Hochzeit entgegen. Ihre Eltern hatten ihr angekündigt, sie in absehbarer Zeit zu verheiraten. Das Alter dazu hatte sie mit ihren 16 Jahren. Wer der Bräutigam sein sollte, hatten sie ihr noch nicht verraten. Bald sollte sie ihn kennenlernen.

Rieke wollte eigentlich noch nicht heiraten, doch als wohlerzogene und folgsame Tochter eines angesehenen Ratsherrn der Stadt Arnstadt beugte sie sich natürlich dem Wunsch ihrer Eltern. Bis jetzt konnte sie es sich nicht vorstellen, einen Mann zum Gatten zu haben, den sie bis zur Verlobung noch nicht einmal kannte. Eine Liebeshochzeit konnte sie sich aus dem Kopf schlagen. Das gab es in ihren Kreisen nicht. Da heiratete Geld das Geld. Auch ihre Eltern wurden einfach miteinander verheiratet. Doch mit der Zeit lernten sie sich lieben und führten eine gute Ehe, um die sie von vielen beneidet wurden. Rieke wünschte sich das selbe Glück wie ihre Eltern. So in Gedanken sprang sie weiter hinter ihrer Mutter her.

„Ulrike, benimm dich endlich! Eine junge Dame hüpft nicht, sondern schreitet grazil dahin. Was sollen die Leute von uns denken“, schimpfte Augusta, Riekes Mutter. Entrüstet sah sie ihre Tochter an.

„Aber Mutter, freut Ihr Euch nicht über die neuen Kleider, die wir uns nähen lassen wollen?“, erwiderte Rieke lachend vor Freude und Übermut. Am liebsten hätte sie die ganze Welt umarmt, so sehr freute sie sich. Den Nebeneffekt mit der Verheiratung verdrängte sie lieber erst einmal.

„Doch, sehr. Aber eine vornehme Dame zeigt in der Öffentlichkeit ihre Freude nicht in dieser Art“, erklärte sie ihrer Tochter bestimmt schon zum tausendsten Male die Benimmregeln einer edlen Dame.

„Ich werde mich, wie Ihr es Euch wünscht, vorzüglich benehmen“, sagte Rieke und zog eine Schnute. Sie wusste, mit ihren Grimassen konnte sie ihre Mutter immer zum Lachen bringen.

„Nun komm, wir halten hier den ganzen Verkehr auf“, drängte Augusta die Tochter zum Weitergehen, ohne auf Riekes Possen zu achten. Es war schon Vormittag. Um noch gute Stoffe ergattern zu können, mussten sie sich beeilen. Auch wenn die Händler ihre Waren noch bis zum Abend feilboten, die besten Stücke gab es immer am Morgen. Wer später kam, erhielt meist nur noch Ware von geringerer Qualität. Normalerweise reisten sie zum Einkaufen solcher Dinge ins nahe Erfurt. Doch ihr Gatte Wolfhardt war zur Zeit unabkömmlich im Stadtrat.

***
Auf dem Markt herrschte ein reges Treiben. Die Leute drängelten sich um die eng nebeneinander stehenden Stände, an denen die Händler ihre Waren anpriesen, als wäre es reines Gold. Es war ein Schubsen und Drängeln, dass Rieke zusehen musste, nicht den Anschluss an ihre Mutter zu verlieren. Dabei musste sie auch noch aufpassen, nicht von einem Beutelschneider um ihre Geldkatze erleichtert zu werden.

Hier in Arnstadt gab es nur wenige Leute, die reich genug waren, sich die beste Qualität an Waren leisten zu können. Die Familie Wollhaupt gehörte zu den Glücklichen. So wandte sich Riekes Mutter den Tuchhändlern zu, die Textilien aus fernen Ländern anboten.


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