Rieke und der Quacksalber

Kapitel 5


© by sunny768

 

„Was fällt Euch ein“, wollte Rieke eben den jungen Mann vor ihr anschnauzen. Doch der Blick, den er ihr zuwarf, ließ sie sofort verstummen. Eigenartigerweise begann ihr Herz laut zu klopfen. Sie errötete.

„Beinahe wärt Ihr gefallen“, wehrte der junge Mann ab und grinste sie an. Seine braunen Augen blitzten ihr lustig entgegen.

„Ihr könnt mich nun wieder loslassen“, sagte Rieke, die den ersten Schreck überwunden und sich gefangen hatte.

„Sehr schade“, erwiderte der Mann und sah sie immer noch schmunzelnd an. „Eine schöne Frau in den Armen halten, ist der Traum eines jeden Mannes.“

„Raspelt lieber nicht zu viel Süßholz. Schöne Frauen können auch kratzbürstig sein“, konterte Rieke redegewandt.

„Ach, das seid Ihr keinesfalls“, behauptete der Unbekannte. „Ihr seid das liebenswürdigste Geschöpf, das mir je begegnet ist.“

„Ich und liebenswürdig“, Rieke lachte gar nicht damenhaft laut auf. „Seid Euch ganz gewiss, ich kann sehr kratzbürstig sein“, wehrte sie schmunzelnd ab. „Und nun lasst mich los. Ich muss weiter.“

„Wirklich sehr schade“, sagte der Mann und ließ sein Gegenüber endlich los. „Wie gerne hätte ich mich noch mit Euch unterhalten.“

„Ich muss trotzdem weiter. Vielen Dank“, versuchte die junge Frau, sich aus dem Gespräch mit dem jungen Mann zu entfernen. Sie wandte sich nun um, um mit Gislind ihren Weg fortzusetzen. Als sie sich nach einigen Metern umblickte, stand der Mann immer noch an der gleichen Stelle und starrte ihnen nach.

Schmunzelnd schaute Gislind ihre Herrin an, die sich kopfschüttelnd abwandte. „Ein komischer Kauz“, sagte sie zu ihrer Magd, die immer noch in Richtung des Unbekannten schaute. „Nun komm schon und starre nicht so offensichtlich hinter ihm her.“

„Ach, seid doch nicht so. Ich glaube, da hat sich jemand in Euch verliebt und Ihr auch“, erwiderte Gislind lächelnd.

„Red` nicht so einen Schmarrn“, wiegelte Rieke ab. „Gehen wir lieber, meine Freundinnen werden bereits auf mich warten.“ Rieke wandte sich ab und setzte ihren Weg fort, ohne weiter auf Gislind zu achten.

Der Nachmittag bei Riekes Freundin Margarethe wurde ein geselliges Beisammensein, das die junge Frau sichtlich genoss. Es würde wohl das letzte Mal sein, dass sie als unverheiratete Jungfer daran teilnimmt. Im Kreise ihrer Freundinnen konnte sie die Sorgen um das Kommende eine Weile vergessen. Erst als es bereits dämmerte, machte sie sich mit Gislind auf den Rückweg.


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