Rieke und der Quacksalber

Kapitel 7


© by sunny768

Friedbert lief so schnell er konnte zum „Bären“. Um diese frühe Tageszeit waren die Gassen der Stadt noch wie leergefegt. Kaum einer Menschenseele begegnete er, nur ein paar Büttel der Stadtwache lehnten hier und da gähnend an einer Häuserecke. Die Händler hatten ihre Läden noch nicht geöffnet, die meisten Einwohner lagen noch in ihren Betten oder waren eben dabei, ihre Nachtruhe zu beenden. Nur ein paar Mägde, die nicht im Hause ihrer Herrschaft wohnten, gingen plaudernd zur Arbeit. So kam der Knecht gut voran und erreichte die Spelunke schneller als gedacht.

Er fand den Heilkundigen sofort. Der junge Mann war bereits aufgestanden und gerade dabei, mit den Gauklern, mit denen er durchs Land zog, den Tagesplan zu besprechen. Dabei nahmen sie ihr Morgenmahl ein. Das Lachen der Leute war schon vor der Tür zu hören. Die Mitglieder der Truppe waren recht zufrieden mit ihren bisherigen Einnahmen. Die Einwohner Arnstadts waren trotz des Fiebers, das in der Stadt grassierte, sehr von den Vorführungen der Gaukler angetan und taten dies auch kund, indem sie sich nicht knausrig zeigten und gerne den Preis bezahlten, die der Patriarch verlangte. So wanderte so mancher Pfennig aus der Geldkatze der Bewohner in die der Akrobaten.

Auch Konrad konnte nicht über zu magere Einnahmen klagen. Er hatte schon einige recht eigenartige Heilmittel verkauft, die gegen allerlei Krankheiten helfen sollten. Sein Geldbeutel war gut gefüllt mit den Gaben der Kranken oder deren Angehörigen, die durch die Anwendung seiner Mittelchen auf Besserung ihrer Gebrechen hofften.

„Wer von euch ist Konrad Klausner“, dröhnte Friedberts tiefe Stimme durch die Schankstube.

Konrad erhob sich und trat zu dem grobschlächtigen Mann, der den ganzen Türrahmen einnahm. „Ich bin der Gesuchte“, sagte Konrad, „wer will das wissen?“

Wolfhardts Knecht schaute sein Gegenüber argwöhnisch an. Er hatte in dieser Spelunke, die nur ärmliche Gestalten mit wenig Zahlkraft beherbergte, alles erwartet, doch keinen sauber und gut gekleideten Herrn, wie Konrad einer war.

„Ich will das wissen“, knurrte Friedbert zwischen den Zähnen hindurch.

„Was wollt Ihr von mir?“, fragte Konrad, dem der riesige Knecht nicht ganz geheuer war. Er versuchte sich zu erinnern, wer ihm vielleicht ans Leder wollte oder wer mit ihm noch ein Hühnchen zu rupfen hatte. Doch ihm fiel niemand ein.

„Der Herr Wollhaupt, ein edler Herr aus dem Stadtrat“, erklärte der Knecht. „Ihr sollt sofort sein Haus aufsuchen. Ich soll Euch zu ihm führen.“

Konrad konnte sich nicht erinnern, einen Mann namens Wollhaupt zu kennen. Hier in der Stadt kannte er eigentlich niemanden. Obwohl, er erinnerte sich an das Mädchen, das ihm gestern in die Arme gelaufen, oder besser gesagt, gefallen war und dem er schöne Augen gemacht hatte.

„Ich kenne keinen mit dem Namen Wollhaupt“, behauptete Konrad.

„Doch, kennt Ihr. Seine Tochter heißt Rieke. Sie sagte ihrem Vater, Ihr hättet Eure Hilfe angeboten. Ihr Bräutigam ist schwer am Fieber erkrankt“, erklärte Friedbert weiter.

Da fiel es Konrad wie Schuppen von den Augen. An diese Jungfer erinnerte er sich wirklich. Er war ihr gestern doch heimlich gefolgt.

„Was ist nun? Eilt Euch! Es ist dringend“, drängelte Friedbert, als der Mann vor ihm immer noch keine Anstalten machte, sich in Bewegung zu setzen.

„Wenn es so ist, werde ich der Bitte natürlich folgen. Bitte führt mich zum Haus des Herrn Wollhaupt“, erwiderte Konrad. Er schob Friedbert zur Seite und ging zur Tür. „Na was ist, seid Ihr ihr festgewachsen. Wenn es eilig ist, sollten wir uns sofort auf den Weg machen“, drängte nun Konrad zum Aufbruch.


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