Leseprobe aus Kapitel 1

"Der geheimnisvolle Fremde"


Auf was habe ich mich da nur eingelassen? Aufgeregt lief ich in meinem Schlafzimmer auf und ab. In einer Stunde sollte ich im Park sein, da an der großen Linde, gleich neben dem Ententeich. Unter einem langen Mantel sollte ich nichts anderes tragen als nackte Haut. Hochhackige Pumps hatte mir dieser geheimnisvolle Fremde, gerade noch erlaubt. Als ich in den Spiegel schaute und mein Outfit noch ein letztes Mal begutachtete, fand ich mich darin sexy, ja sogar richtig verrucht aussehend. Nur der lange Mantel verdeckte meine Nacktheit. Niemand, der mir unterwegs begegnen könnte, würde nur im Geringsten etwas davon erahnen, dass ich nichts darunter trug.

Eine Gänsehaut lief über meinen Körper, als mir das ungemein geile Gefühl von kühlem, aber weichem Leder auf der Haut bewusst wurde. Ich bemerkte, wie sich meine Brustwarzen aufstellten. Ein verheißungsvolles Kribbeln machte sich in meinem Schoß breit. Ja, es erregte mich sogar, mich so in die Öffentlichkeit begeben zu müssen. Anfangs war ich mir noch unsicher, ob ich dieses Wagnis eingehen sollte. Aber dann überwog meine Neugier auf das Neue, Unbekannte – und auch auf diesen geheimnisvollen, fremden Mann.

Dieser wildfremde Typ, mit dem ich mich zum Sex treffen wollte, machte das Gefühl der Geilheit sogar noch stärker. Seine Dominanz reizte mich. Er sagte mir nur, er wäre sehr dominant und verlangte bedingungslose Unterwerfung von mir. Wohin sollte das nur führen? Ich wusste es nicht. Aber ich wollte es einfach einmal kennen lernen. Vielleicht gefiel es mir ja sogar, wer weiß. Ich hatte schon viel davon gelesen, dass dabei ganz abartige Gefühle zu Tage treten sollen. Das schien mir einen Versuch wert – das war sicher nicht so langweilig wie der Sex im Bett, den ich mit anderen Männern hatte: Beine breit und dann schwer auf mir liegend rammeln bis es überläuft. Was hatte ich bisher davon? Wenn ich so im Nachhinein überlegte - nichts! Nur Frust und von Befriedigung keine Spur.

Wie kam es eigentlich dazu?

Ich traf diesen Mann letztens als ich in einem Pub ganz hier in der Nähe ein Bier trinken war. Leider musste ich, wie ich so oft in der letzten Zeit, alleine ausgehen. Mein Ehemann war vor einem Jahr bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Seitdem lebte ich solo in der großen Wohnung und fühlte mich einsam. Um der Einsamkeit ab und an einmal zu entkommen, ging ich fast regelmäßig in diesen nahe gelegenen Pub. Die Atmosphäre da war eher heimelig und intim, nicht so steril wie andere Gaststätten, die ich sonst kannte. Ich liebte dieses Lokal.

Eines Tages stieß ich mit einem anderen Gast dort zusammen. Ich wollte zur Toilette und rannte ihn fast um, als ich zur Tür hinaus wollte. Er war mir bisher hier noch nie aufgefallen, vielleicht war er auch zum ersten Mal im Lokal. Als ich ihn ansah, erstarrte ich fast zu einer Salzsäule. Groß, lange schwarze Haare, die zu seinem Pferdeschwanz zusammen gebunden waren. Er trug einen Schlapphut, der sein Gesicht verbarg und einen langen schwarzen Mantel unter dem genau so dunkle Hosen hervor schauten.

Etwas erbost fauchte er mich an: „Kannst du nicht aufpassen!“

Ich sah ihn an und wurde blass. Gerade noch so konnte ich ein Wort der Entschuldigung heraus bringen, ehe ich schnell auf dem stillen Örtchen verschwand.

Als ich zurückkam, saß er an der Bar und trank ein Bier. Kurioserweise hatte er auf dem Barhocker, neben dem ich vorhin gesessen hatte und wo noch mein Glas stand, Platz genommen. Ich setzte mich wieder. Er drehte sich zu mir um, sah mich mit seinen dunklen Augen an und schien mich interessiert zu mustern. Sein Blick verwirrte mich etwas. Schon lange hatte mich ein Mann nicht mehr so angesehen. So lüstern, so gierig – und so besitzergreifend, dass mir sogleich ein wohliger Schauer den Rücken hinunter lief.

„Hallo“, sagte ich. „Entschuldigung noch mal wegen vorhin. Das wollte ich nicht.“

Wieder musterte er mich. „Ist schon okay“, antwortete er mit einer tiefen, sonoren Stimme, die mir beinahe das Blut in den Adern erstarren ließ. „Ich bin George“, stellte er sich vor. Nicht mal seinen Hut nahm er ab. Hielt er es nicht für nötig? Oder war das so seine Angewohnheit, immer einen Hut zu tragen?

„Mein Name ist Angelina“, erwiderte ich.

„Bist du öfter hier?“, fragte er mich. „Oder suchst du hier Vergnügen?“

„Gott bewahre, was denkst du von mir“, empörte ich mich. „Ich bin ab und an mal hier, wenn ich der Einsamkeit zu Hause entfliehen möchte.

„Dann bin ich wohl nichts für dich“, meinte er.

„Inwiefern?“

„Ich bin brutal und sehr dominant. Ich will eine Frau, die sich mir unterordnet, die ich beherrschen kann. Du verstehst?“

„Nein, nicht ganz. Aber vielleicht kannst du mir das genauer erklären. Ich habe damit zwar keine Erfahrung – nur davon gehört.“

George schien nachzudenken. „Das zu erklären ist etwas schwierig. Ich müsste dir das schon zeigen. Natürlich nur wenn du willst.“ Er ahnte wohl meine Neugier oder schien es darauf anzulegen, mich zu beeinflussen, ihm willig zu sein.

Ich blickte in seine dunklen Augen und bemerkte das Feuer darin. Mir wurde ganz mulmig zumute, aber dieser unbekannte Fremde zog mich irgendwie an - und – was mir fast unnatürlich vorkam, es erregte mich, so von ihm angeschaut zu werden. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und sagte: „Zeige es mir.“

George grinste fies. „Dann komme morgen Abend Punkt acht Uhr in den Park an den Ententeich. Dort ist eine Linde, da werde ich auf dich warten. Ziehe nur einen Mantel an, darunter nichts, auch kein Höschen - und die höchsten Schuhe, die du hast.“

Erschrocken stieß ich einen Laut aus. Das war wirklich harter Tobak, den er da von mir verlangte.

„Hast du womöglich Angst?“, fragte er fast herrisch.

„Nein, nein“, versuchte ich so normal wie möglich zu sagen. „Es ist nur ein etwas ungewöhnlicher Wunsch.“

„Das ist kein Wunsch, das ist ein Befehl!“, meinte George. „Sei pünktlich oder bleibe ganz fern. Wenn du kommst, ist die Bedingung, mir ganz unterlegen zu sein.“

Erst wollte George schon gehen, aber dann besann er sich wohl anders. Er setzte sich wieder auf den Hocker und begann mir zu erklären: „Dazu müsste ich dir allerdings noch ein wenig was erzählen, das sehr wichtig für dich ist.“

Gespannt sah ich ihn an und überlegte, was er wohl noch zu sagen hatte. „Dann mal raus damit“, sagte ich zu ihm.

„Also, es ist so, dass zwischen dem Meister, das bin ich und seinem Opfer, das bist du, absolutes Vertrauen herrschen muss. Ich darf alles tun, was du mir erlaubst. Es gibt eine Art Safeword, das du benutzen musst, falls ich zu weit gehen sollte. Sobald dieses Wort von dir ausgesprochen worden ist, ist für mich sofort Ende. Da wir uns noch nicht kennen, ist dieses Wort für dich ganz besonders wichtig. Für mich natürlich auch, da ich noch nicht weiß, wie weit ich bei dir gehen kann.“

Ich überlegte ein wenig. So ganz verstand ich das zwar noch nicht, aber ich war interessiert, was weiter geschehen sollte. „Ich muss dir also vertrauen. Gut. Wie soll das gehen?“, wollte ich wissen. Meine Neugier wurde so groß, dass es mir ganz hibbelig wurde.

George tat so, als würde er nichts bemerken. Er schaute mich an, dann erklärte er weiter: „Dieses Safeword ist eine Art Sicherheit für dich. Es zwingt sozusagen mich dazu, sofort mit dem, was ich gerade mit dir tue, aufzuhören. Egal, was das sein sollte. Richtiges Vertrauen müssen wir nach und nach zueinander aufbauen. Wenn du es wagst, morgen in den Park zu kommen und mich dort zu treffen, haben wir schon einmal einen Anfang gemacht. Alles andere werden wir dann sehen, wie es sich entwickelt.“

Meine Gedanken wirbelten in meinem Kopf herum. Einerseits machte es mich etwas ängstlich, was George mir eben erklärte, aber andererseits reizte es mich, das Unbekannte kennen zu lernen. Ich nahm all meinen Mut zusammen und sagte zu ihm: „Okay, ich werde morgen da sein. Ich bin mir zwar nicht sicher, aber ich möchte es versuchen. Welches ist dieses Wort, das mich befreien wird, falls es mir zu viel wird?“

„Sage einfach Kaubonbon“, antwortete George. „Mit diesem Wort bist du befreit. Merke es dir gut. Schreibe mir noch deine Telefonnummer auf, damit ich dich im Notfall erreichen kann.“

Ich gab sie ihm, ohne nachzudenken. Dann warf er Geld für sein Getränk auf den Tresen, sagte kurz Adieu zu mir und verschwand.

Ich blieb beinahe wie erstarrt zurück, nahm mir aber vor, morgen Abend pünktlich zu sein. Mit diesen Gedanken ging ich nach Hause. George und sein Gehabe reizte mich, das Unbekannte reizte mich und das, was er wahrscheinlich mit mir tun würde.