Sollte es Liebe sein?


Es war einmal, so fangen viele Märchen an. Auch heutzutage noch.

Es war einmal, was für ein Beginn einer Geschichte. Es war aber wirklich einmal, an dem einem Tag an dem ich dir am Bahnhof das erste Mal gegenüber stand und in deine Augen blickte. Der Blitz schlug ein. Unverhofft und für mich unbegreiflich.

Für mich warst du vom ersten Augenblick die Liebe meines Lebens. Aber irgendetwas lief schief bei uns. Sehr schief sogar.

Woran lag es? Ich weiß es nicht, jedenfalls nicht genau.

Ich hatte Angst, sehr große Angst.

Aber wovor? Vor dir? Vor mir selbst? Vor der Liebe? Vor einer neuen, festen Beziehung? Auch jetzt habe ich noch Angst, sehr große sogar.

Ich glaube, so eine winzig kleine Ahnung habe ich doch. Meine Angst war wohl deswegen so immens, mich so schnell wieder zu binden, einem Mann nach einer großen Enttäuschung wieder zu vertrauen. Aber mich dir hinzugeben, war ein Fest der Sinne. Dazu gehört für mich Gefühl. So einfach ist das für mich nicht, mich einem Mann hinzugeben, wenn da nicht ein Fünkchen Gefühl für ihn da ist. Auch jetzt, Wochen nach unserem letzten Treffen, denke ich gerne daran zurück. Allerdings mich wieder fest zu binden, ist ein großes Grauen für mich. Es ist ein harter Weg vom Traum zur Wirklichkeit. Glaube mir, wenn ich etwas weiß, dann das. Kennen wir uns genug, um wirklich diesen Weg zu gehen?

Du bist verheiratet, das war mir klar. Aber dass du bereit warst, dich für mich zu trennen, das nicht. Dabei habe ich dir von Anfang an gesagt, ich möchte nichts festes, sondern einfach nur die Zeit, die wir zusammen haben, genießen. Du warst damit einverstanden. Wolltest du wirklich unser Glück auf dem Unglück eines anderen aufbauen? Lieber verzichte ich auf jemanden als mein Glück auf dem Unglück eines anderen aufzubauen. Auch wenn es mir sehr weh tut.

Dabei nahm ich an, du verstehst mich. Aber es ist wohl nicht so, wie ich es dachte. Hast du mich missverstanden? Warum sagtest du nie etwas, sondern machtest mir lieber ständig Liebesschwüre? Hast du nicht bemerkt, in welcher Zwickmühle ich mich befand?

Ich habe versucht, dir aus dem Weg zu gehen. Es ist mir nicht gelungen. Ich fühlte mich eingeengt, eingeengt in meiner Persönlichkeit, in meiner Freiheit, die ich gerade wieder neu errungen hatte. Die wollte ich doch erst einmal nur genießen und mich treiben lassen. Dann kamst du und nahmst mich ein. Einfach so, von jetzt auf gleich.

Wie sehr wünsche ich mir jetzt, ich hätte den Mut dazu gefunden, dir die Wahrheit über meine Gefühle zu sagen. Aber eines ist wahr, dass ich dich liebe. Da habe ich dich nie angelogen. Auch wenn ich es nicht immer sagen konnte.

Irgendwann begann ich nachzudenken, nachzudenken über das, was wir da taten. Es war nicht richtig. Es war falsch von meiner Seite aus. Wie du darüber dachtest, das weiß ich auch. Du hattest keine Gewissensbisse. Im Gegenteil, du beschwertest dich darüber, wie sehr deine Frau klammert. Ehrlich, bist du nicht anders? Denk mal nach! Du klammertest dich an mich. Ich empfand es so. Ich wollte das nicht, wusste aber auch nicht, wie ich dir das beibringen sollte.

Ich begann, mich rar zu machen, Ausreden zu erfinden. Bis mir irgendwann der Kragen platzte und ich dir etwas Böses schrieb. Dabei war ich dir überhaupt nicht böse. Ich verstand dich ja. Du machtest es aus Liebe zu mir. Aber sahst du, spürtest du wirklich nicht, dass ich mich bedrängt fühlte? Ich wollte nicht mehr.

… und jetzt?

Jetzt bist du sauer, schwörst Rache.

Aber ich werde es überleben.