Von Glashäusern, Steinen

und hinterlistigen Exfrauen


Eine Trennung ist immer schwierig, vor allem, wenn Kinder aus der Beziehung hervorgegangen sind. Klar, für denjenigen, der diesen Schnitt beabsichtigt und im Endeffekt auch durchzieht, ist die ganze Sache schon ein wenig einfacher, als für den, der zurückbleiben muss. Die Beziehung ist futsch und nichts ist mehr zu kitten. Da hilft meist nur eins: rigorose Trennung von Tisch und Bett und zu guter Letzt auch vom Dach, unter dem man viele Jahre zusammen verbracht hat.

Doch ich war nie ein Kind von Traurigkeit und konnte nach einiger Zeit wieder lachend durch die Welt wandeln. Allerdings gab es noch das böse Wort „wenn“. Wenn es das „wenn“ nicht gäbe, dann… ja dann… Doch beginnen wir mal lieber von ganz vorne, anstatt mittendrin.

Dieses Wort „wenn“ ist irgendwie zu vergleichen mit „Du musst“ oder „Was für´n Scheiß“. Oftmals benutzte ich auch noch viel schlimmere Worte als diese. Einigen wir uns lieber auf die zweite Redewendung, um nicht die Ohren, oder besser die Augen der Leser zu beleidigen.

Also „was für´n Scheiß“, dass ich wie so jeden Tag meinem Ex und seiner neuen Tusse über den Weg laufen musste. Lieber wäre ich den beiden „Turteltäubchen“ aus dem Weg gegangen. Doch das war gar nicht so einfach, wenn der Ex auch gleichzeitig der Boss, mein Arbeitgeber war. Noch schlimmer war, dass die neue Tusse auch dort „angestellt“ war! Auf jeden Fall hatte ich die Nase gestrichen voll von den beiden und überlegte, wie ich sie am besten etwas ärgern könnte.

Bis ich endlich einen Einfall hatte, verging einige Zeit. Währenddessen verrichtete ich meine Arbeit wie jeden Tag, ohne mir etwas anmerken zu lassen. Dabei brodelte es in mir wie in einem Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Vor allen Dingen die ständigen Sticheleien der neuen „Chefin“ gingen mir gewaltig auf den Zeiger. So sehr, dass ich oft an mich halten musste, ihr keine zu knallen. Auf dieses primitive Niveau wollte und konnte ich mich jedoch nicht herablassen. Dass ich längst Bescheid wusste, was zwischen den beiden läuft, schienen die gar nicht zu bemerken. Vielleicht war es ihnen sogar egal.

Er log mir immer noch frech ins Gesicht, dabei war er vor Weihnachten, genau an dem Tag, an dem wir eigentlich unseren siebzehnten Kennenlerntag hatten, bei ihr eingezogen. Das war anscheinend ganz praktisch. Ihr Noch-Ehemann flog aus der gemeinsamen Wohnung und hauste seitdem in der Pension, während meiner mit Sack und Pack bei ihr einzog.

„Geiles Datum“, dachte ich mir dazu nur, „das kann er wenigstens nicht vergessen.“

Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, lud er mich einen Tag vor unserem Jubiläum zum Essen ein. Ich lehnte dankend ab. Am nächsten Tag war die Weihnachtsfeier unserer Firma, an der ich auch teilnehmen sollte. Wieder lehnte ich ab mit der Begründung: „Mit der setze ich mich nicht an einen Tisch“, was ihn wiederum beleidigte. Doch das war mir egal.

Das neue Jahr war inzwischen schon knapp zwei Monate alt, als ich endlich einen genialen Einfall hatte. Ich ging ab sofort geschminkt wie zum Ausgehen ins Büro, zog mich immer chic an und stöckelte auf meinen Absatzschuhen durchs Lager. Während der Arbeitszeit telefonierte ich mit „imaginären Freunden“ und turtelte auf Teufel komm raus. Was mich noch mehr freute, die Kollegen standen hinter mir und freuten sich über mein „neues Glück“. Er merkte nicht einmal, dass alles nur gefaked war.

Am Tag, bevor der große Clou laufen sollte, unterhielt ich mich nach Schichtende noch mit einer Kollegin am Empfangstresen.

„Du siehst gut aus, geil geschminkt“, lobte sie mein neues Auftreten und zwinkerte mir zu. Ich wusste, ihr konnte ich vertrauen.

„Ach weißt du“, erwiderte ich, „jetzt wo ich wieder auf dem freien Markt bin, muss ich mich mal ein wenig aufhübschen, um noch einen abzubekommen. Du weißt ja, mit über vierzig ist das nicht mehr so einfach.“

Das blonde Gift stand auch grad in der Nähe. Ich hörte noch, wie sie empört die Luft durch die Nase zog und davon dackelte. Mein Lachen über deren Abgang zu verkneifen, war gar nicht so einfach.

„Denk dran, morgen ist Tag X“, flüsterte ich meiner Kollegin, die inzwischen meine beste Freundin ist, leise zu.

„Ja, ich weiß. Sobald die auftauchen, rufe ich bei dir oben an“, entgegnete sie.

Am nächsten Tag, kurz vor Mittag war es endlich soweit. Über die Videoüberwachung sah ich einen PKW vorfahren. Der Fahrer stieg aus, holte etwas aus dem Kofferraum und kam ins Haus. Kurz darauf klingelte mein Telefon. Aufgeregt stürmte ich nach unten und nahm scheinbar völlig überrascht einen Rosenstrauß entgegen. Gekonnt errötete ich sogar etwas, wusste ich doch, mein Ex und seine Tusse saßen oben gespannt vor dem Bildschirm und würden alles beobachten.

Interessiert wühlte ich mich durch den Strauß und „fand“ das kleine Kärtchen. „Ich liebe Dich, mein Schatz. Als Dank für die schönen und geilen Stunden, die wir zusammen verbracht haben, sende ich Dir diese Rosen. Liebe Grüße E.“

Freudestrahlend und glücklich schwebte ich die Treppen hoch. In meinem Büro drapierte ich den Strauß für alle schön sichtbar neben meinem Schreibtisch. Das Kärtchen steckte ich gezielt zwischen die Blüten und merkte mir die genaue Position. Zum Feierabend „vergaß“ ich dann den Strauß.

Am nächsten Morgen kam ich ins Büro. Das Kärtchen steckte an einer anderen Stelle im Strauß, die Falle war zugeschnappt.

Ein wütender Ex empfing mich. „Was soll das?“, herrschte er mich an. „Wer ist dieser Typ mit den Rosen?“

„Ach, das ist mein neuer Freund“, flötete ich. „Ich vergaß, dir zu sagen, dass ich einen Freund habe, mit dem ich sehr glücklich bin. Hast du eventuell was dagegen?“, flötete ich weiter.

Mein Ex wurde noch wütender und wäre mir am liebsten an die Gurgel gegangen. Doch er hielt sich gekonnt zurück.

„Was ich dir noch sagen wollte“, sprach ich unberührt weiter. „Deine Büroarbeit kannst du ab sofort selber machen, schreib mir die Kündigung und reiche die Scheidung ein.“

„Schönen Tag noch“, sagte ich, nachdem ich mein Zeugs zusammengepackt hatte.

„Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“, waren meine Gedanken im Hinausgehen. – (Ex)-Frauen können doch so gemein sein.