Was ich Dir noch sagen wollte

 

Mein Beitrag zum 4. Wettbewerb in der Bookrix-Gruppe "Gemeinsam"

mit dem Thema: "Wir schreiben jemanden einen Brief"

 


Liebster aller Menschen,

eigentlich müsste ich Dich hassen, hassen dafür, weil Du einfach so gegangen bist, ohne Dich von mir zu verabschieden. Aber Hass gehört nicht zu meinem Repertoire. Eher sollte ich traurig sein, dass es Dich in meinem Leben nicht mehr gibt. Ohne Abschied bist Du gegangen, einfach fort von Jetzt auf Gleich. Wohin, das weiß nur Gott, der jedoch antwortet mir nicht, wenn ich ihn nach Deinem Verbleib frage. Das zu verstehen ist schwer und zu verkraften noch schwerer.

Eigentlich stimmt ohne Abschied nicht ganz. Als wir uns das letzte Mal sahen, sagtest Du zu mir, Du liebst mich. Ich war erstaunt, solche Worte aus Deinem Munde zu hören und verstand nicht gleich, was Du zu mir sagtest. Du musstest Deine Worte erst noch einmal wiederholen. Doch dann war ich der glücklichste Mensch auf der Erde. Dass die drei Worte, ich liebe dich, die letzten waren, die Du jemals zu mir sagen würdest, ahnte ich damals nicht. Du wahrscheinlich schon, vielleicht im Unterbewusstsein und wolltest mir noch gestehen, wovor wir uns immer fürchteten. Ob es so war, kannst Du mir nun nicht mehr sagen, denn Du bist fort, für immer.

Ich erinnere mich daran, wie Du eines Tages meine Hand nahmst und mir Deine Freundschaft angeboten hast. Aus dieser Freundschaft wurde später Liebe. Obwohl wir immer darauf achteten, uns nicht ineinander zu verlieben. Du wurdest mein Stern, das Licht, das die Nacht erhellte. Trotz der anfänglichen Entfernung zueinander, waren wir immer füreinander da. Du gabst mir das, was ich mir schon immer wünschte von einem Mann: Vertrauen und Liebe. Ich war so glücklich, dass sogar meine Mutter die Veränderung an mir wahrnahm.

Als der Anruf aus dem Krankenhaus kam, war ich zuerst geschockt. Zu geschockt, um sofort reagieren zu können. Aber als ich Dich so liegen sah, sagte mir mein Kopf: das war´s. Jede Hilfe kam zu spät. Ich musste Dich gehen lassen. Und auf Deinem letzten Weg reichte ich Dir meine Hand und hielt sie solange, bis Du den Weg über die Regenbogenbrücke gegangen warst.

Du wirst nicht mehr bemerkt haben, wie ich Dir einen letzten Kuss auf die Stirn drückte und ein letztes Mal leise zu Dir sagte: Ich liebe Dich. Ich denke aber, Du wusstest auch so, ohne, dass ich es Dir sagen musste.

Aber was ich Dir noch sagen wollte: Danke, dass es Dich gab in meinem Leben, Danke für die gemeinsame Zeit, die wir miteinander verbringen durften. Ich bin glücklich, dass wir eine Zeitlang den gleichen Weg hatten. Aber nun haben wir Abschied voneinander genommen. Vielleicht sehen wir uns eines Tages wieder. Wer weiß schon, was ihn am Ende der Regenbogenbrücke erwartet.

Bis dahin: Sei brav zu den Engeln und beschäme sie nicht zu sehr mit Deinen schlüpfrigen Geschichten...

Deine Möge

© by Milly B. / 01.08.2018