Kampfkater und Konsorten

Geschrieben für das 119. Wortspiel mit dem Thema "Haustiere und andere Katastrophen"

in der Bookrix-Gruppe "Das BookrixWortspiel im Oktober 2018


Eine Humoreske über wuschelige Fellnasen – oder – ein ganz normaler Morgen mit Katzen im Haushalt

 

Es ist manchmal ganz schön stressig, nicht nur eine Katze zu besitzen. Denkt ja nicht, das ist einfach und mit Hunden zu vergleichen. Letztere sind im Gegensatz zu den schnurrenden Fellnasen weitaus pflegeleichter. Samtpfötchen wollen umhegt, gepflegt, beschmust und vergöttert werden. Bei Katzen ist der Mensch nicht das Herrchen, sondern der Diener, der gefälligst zu gehorchen hat. Diesbezüglich sind sie sehr eigensinnig.

 

So ist es mit meinen fünf Stubentigern gar nicht so leicht, die wilde Bande zufrieden zu stellen. Schon morgens geht es los. Für mich ist das meist kurz nach Mitternacht und ich noch viel zu müde zum Aufstehen bin. Da gibt es keine Gnade oder Schonzeit. Es gilt nur: Rette sich, wer kann – oder – ohne Rücksicht auf Verluste. Ersteres gilt dem Menschen im Haushalt, zweiteres dem so lieben Katzentier.

 

Kurz bevor der Wecker klingelt, werden die ersten mobil. Sie sind wahrscheinlich bereits viel zeitiger mobil, Katzen sind, wie bekannt ist, Nachttiere. Aber sie scheinen sich im Lebensrhythmus wohl ihrem Menschen anzugleichen.

 

Der zweibeinige Dosenöffner hofft also inbrünstig, sich noch einmal kurz umdrehen, die Decke über den Kopf und noch eine Weile dösen zu können. Aber nix ist! Das Katzenvieh ist schon fit wie ein Turnschuh!

 

Gustel Schneeflocke – er hat nicht umsonst diesen Namen, das gute Tier ist schneeweiß – steht bereits auf der Matte und macht sich bemerkbar. Es sei denn, Juttchen Kalkuttchen hat es sich neben mir unter der Bettdecke bequem gemacht und schurrt mir ein Ohr ab. Die Gute mag es schön warm. Ältere Menschen mögen es meist wohl auch wärmer. Bei Katzen scheint das genauso zu sein. Was ist da für eine Katze besser geeignet, als sich einen Platz unter der warmen Bettdecke hauseigenen Dosenöffners zu sichern.

 

Wenn Juttchen doch einmal woanders genächtigt hat – sie bevorzugt Körbe mit frisch gewaschener, nach Spülmittel duftender Wäsche -  fordert Gustel sein Recht ein. Die schneeweiße Pfote mit den schlüpferosafarbenen Fußballen nähert sich vorsichtig dem Gesicht. Als erstes folgt ein leichter Stups auf die Nase. Meist grummele ich dann etwas in meinen nicht vorhandenen Bart und ignoriere den Weckdienst. Aber nicht mit Gustel! Ohne Skrupel und Hemmungen landet nun die weiße Pfote mitten im Gesicht, dieses Mal natürlich mit ausgefahrenen Krallen. Das Katertier sieht es nämlich gar nicht ein, jemanden schlafen zu lassen, wenn er selber wach ist.

 

Um ernsthaften Verletzungen zu entgehen, sehe ich mich dann genötigt, mich schlaftrunken in die Senkrechte zu begeben. Gustel Schneeflocke scheint zu grinsen. „Geht doch!“, wird er sich nun denken, „auf du faule Sau, wir haben Hunger!“

 

Währenddessen wird der restliche Weckdienst mobil. Genüsslich wird an der Kratzecke gearbeitet, dass ich beinahe einen Hörsturz bekomme. Meist ist Kampfkater Sammy der Übeltäter, der sich diese Untat von Lilly Fee abgeschaut hat. So bleibt mir nichts weiter übrig, als in den sauren Apfel zu beißen und mein Tagwerk zu beginnen.

 

Doch zuerst muss ich die gefühlten 1000 Kilogramm Lebendgewicht an Katze dazu bewegen, ihren Fellarsch von meinem Astralkörper zu entfernen. Lilly Fee bevorzugt es nämlich, auf schlafenden Menschen die Nacht zu verbringen. Nach anfänglicher Widerspenstigkeit und bösem Knurren verzieht sich das Monster ins Wohnzimmer. Trotzdem bin ich froh, dass sie auf mir geschlafen hat und nicht Minky Mink. Das schwarzweiße Wesen ist so schwer, dass man wie eine Flunder plattgedrückt wird, wenn sie auf einem liegt.

 

Endlich bin ich bereit, die Bettkante ist meine. Warme Füße suchen kalte Pantoffeln. Doch schon wieder Pustekuchen! Gustel Schneeflocke springt wie von der Tarantel gestochen vom Nachtschrank auf die nackten Füße. Habe ich Socken an, verschmäht er auch diese nicht. Genüsslich beißt er hinein, falls ich, immer noch schlaftrunken, mit den Füßen nicht schnell genug in den Pantoffeln bin.

 

In diesem Fall heißt das: Katerabwehrstellung! Ein kurzes Beinschütteln, manchmal ist auch ein beherzter Griff ins Genick notwendig und das weiße Monster trollt sich fluchend und grummelnd zu seinen Freunden ins Wohnzimmer. Beleidigt maunzt er dabei jämmerlich, als hätte ich ihm das Fell über die Ohren gezogen.

 

Im Wohnzimmer hat sich der Rest der Katzentiere bereits versammelt und schaut mich mit gierigen Blicken an. Die Bande hat Hunger! Nun muss ich eilen, um nicht von der hungrigen Meute Minilöwen aufgefressen zu werden. Fix wird der Napf gefüllt. Sie stürzen sich auf das Futter, als hätte es ewig nichts zu beißen gegeben. „Tja, wenn der Dosenöffner nicht wäre, dann gäbe es bereits Dörrkatze“, denke ich oft ein wenig böse.

 

Endlich habe ich Zeit für mich müden Frühaufsteher. Die Arbeit ruft und der Busfahrer wartet leider nicht auf trödelnde Mitfahrer bis diese sich bequemen, an der Haltestelle zu erscheinen. Wenn ich nicht nur die Rücklichter sehen will, muss ich eilen.  

 

Der Weg bis zur Haltestelle ist allerdings auch mit Hindernissen gespickt. In einem Haushalt mit fünf Katzen ist es nahezu unmöglich, sich heimlich davon zu schleichen. Eine von den Fellnasen hat sein Ohr immer an der Tür. Meist ist es Kampfkater Sammy, der schneller als die Polizei erlaubt, an der Tür steht, um die Dienerin in den Arbeitstag zu verabschieden.  Es genügt weniger als eine Sekunde und das Wildtier ist hinausgeschlüpft. Bin ich nicht schnell genug, sehe ich nur sein dickes Hinterteil die Treppe hinunterwackeln. Zum Glück habe ich vorgesorgt. Gleich neben der Tür steht ein Besen. Eigenartigerweise wird dieser vom Kampfkater respektvoll beäugt. Das Utensil hilft sehr, das Katzentier zurück in die Wohnung zu scheuchen.

 

Nun aber schnell zum Bus. Noch ein Blick nach oben zum Wohnzimmerfenster. Kampfkater und Konsorten sitzen dort Spalier und drücken sich an der Scheibe die Nasen platt. In ihren Gesichtern scheint etwas Häme zu sein. „Wir dürfen zu Hause bleiben. Du nicht! Ätsch!“, drücken sie aus.

 

Während ich den Hof verlasse, denke ich, von oben Jubelschreie zu hören. „Party Leute, die Alte ist weg!“

 

„Was die Bande wohl macht, wenn ich den ganzen Tag nicht zu Hause bin“, frage ich mich des Öfteren. Ich werde es wohl nie erfahren…

 

 

© by Milly B. / 05.10.2018