Im Frühtau zu Berge


Keuchend versuchte Mariella ihrem Freund Fabian zu folgen. Wenn sie gewusst hätte, wie beschwerlich der Aufstieg zur Hütte ist, hätte sie niemals dieser Bergtour zugestimmt. Dafür hatte sie einen wundervollen Ausblick. Nein, nicht auf die Berge, sondern auf Fabians knackiges Hinterteil, das sich unter der engen Jeans, die er trug, abzeichnete. Mit jedem Schritt, den er tat, bewegten sich seine harten Muskeln mit. Dabei sang er laut, lang und falsch ein Volkslied: „Im Frühtau zu Berge, wir zieh´n, fallera, es grünen die Wälder, die Höh´n, fallera… Wir wandern ohne Sorgen, singend in den Morgen, noch ehe im Tale die Hähne kräh´n.“

Obwohl Fabian das Meiste der Ausrüstung trug und aus vollem Halse sang, stieg er behände wie ein Wiesel den steilen Pfad empor. Nicht die winzigste Erschöpfung war zu spüren. Nur wegen der Bergwanderung war sie heute morgen kurz vor Sonnenaufgang aus den Federn gekrochen und hatte krampfhaft versucht, wenigstens beim gemeinsamen Frühstück wach zu werden. Während Fabian fröhlich plaudernd am Tisch gesessen hatte, knabberte sie unlustig und frustriert an ihrem Brötchen und trank den heißen Kaffee in so großen Schlucken, dass sie sich beinahe die Zunge daran verbrannt hatte. Griesgrämig und verschlafen schaute sie auf den ihr gegenüber sitzenden Fabian, der die beste Laune der Welt an den Tag legte. Eigentlich hatte Fabian immer gute Laune, musste sie feststellen.

„Ach komm schon, du Morgenmuffel“, lachte er ihr fröhlich entgegen. „Das wird ein wunderschöner Tag, du wirst schon sehen… und eine noch wundervollere Nacht. Nur wir zwei, ganz alleine in der Wildnis…“ Mariella brachte darauf nur ein Brummen hervor. Jedes Wort war ihr zu dieser unchristlichen Tageszeit zu viel. Und nun stieg sie hinter diesem supergeilen Traummann den verhassten Berg empor, keuchte sich die Lunge aus dem Brustkorb, schwitzte wie eine Sau und stank bestimmt auch schon wie eine.

„Können wir nicht mal eine Pause machen? Ich kann nicht mehr. Durst habe ich auch“, nörgelte Mariella griesgrämig. Ihr Mund fühlte sich an, als hätte sie einer Katze in den Schwanz gebissen und hätte nun den Mund voller Haare. Dieses Gefühl hatte sie immer, wenn sie durstig war. Der Ausblick, den sie von hier über die Berge bis hinab ins Tal hatte, interessierte sie nicht. Sie sah nur den Weg, den sie noch vor sich hatten und die Beschwerlichkeit dessen.

„Stell dich nicht so an, wir sind ja bald da“, erwiderte Fabian. Dabei lächelte er so verführerisch, dass seine eisblauen Augen funkelten wie Bergseen. Mariella liebte diese Augen. Doch sie liebte nicht nur diese Augen, sie liebte auch diesen durchtrainierten Body, die harten Muskeln am Bauch, die sich anfühlten wie ein Waschbrett, wenn man mit den Fingerspitzen darüber strich und sie zum Vibrieren brachte. Dann noch dieser knackige Hintern, fest und klein, genau passend zu diesem Typen, den sie ihren Freund nennen durfte. Ihm zuliebe stieg sie hier mit hoch. Dabei hasste sie die Berge. Viel lieber reiste sie ans Meer. Sie wusste von Anfang an, wie sehr Fabian Bergwanderungen liebte und konnte ihm diesmal seinen Wunsch, ihn auf einer seiner Wanderungen zu begleiten, nicht abschlagen. Immerhin waren sie im Urlaub und wollten so viel wie möglich gemeinsam unternehmen. Fabian war schnell für die Natur zu begeistern, die ihn umgab, während sie lieber die Ruhe eines Spa vorzog und die Seele baumeln ließ.

„Nun komm schon. Es ist doch nicht mehr weit“, sagte Fabian, nahm ihre Hand und zog sie hinter sich her.

„Nicht so schnell“, keuchte Mariella und versuchte, ihm zu folgen. Doch Fabian war einfach zu schnell für sie, die ungeübt den steilen Berg hinaufsteigen musste. Wäre sie doch nur vor dem Urlaub ins Fitnessstudio gegangen und hätte ein wenig trainiert, dann würde sie jetzt nicht so keuchen wie eine Dampflok. Aber Mariella war da eher faul, sie hatte es eigentlich auch nicht nötig, an ihrer Figur rumzumäkeln. Es war kein Gramm Fett zu viel an ihr. Dabei musste sie gar nichts dafür tun, um rank und schlank zu bleiben.

„Wir sind gleich da“, versuchte Fabian Mariella anzutreiben, „schau mal dort“, sagte er und zeigte nach oben, wo zwischen einer kleinen Ansammlung von Bäumen ein Dach hervorblitzte. „Dort ist schon die Hütte, nur noch ein paar Meter und wir haben es geschafft. Du wirst sehen, es wird wundervoll werden.“ Fabian sprach mit Engelszungen auf seine Freundin ein, um sie zum Weitergehen zu animieren.

„Na gut“, gab diese kleinlaut zu, als auch sie die Hütte erspäht hatte. Wenigstens war ein Ende der Plagerei in Sicht. Nur das konnte sie jetzt noch antreiben.

Die beiden liefen weiter, Fabian voran, Mariella hinterher. Schritt für Schritt ging sie in seinen Fußstapfen, immer das baldige Ziel vor Augen. Doch verführerischer als das nahe Ziel war Fabians Hinterteil, das sie am liebsten liebkost hätte. Anstatt acht zu geben, wohin sie trat, starrte sie lieber auf das geile Teil vor ihren Augen. Es kam, wie es kommen musste. Mariella passte nur einen kurzen Augenblick nicht auf, wohin sie trat. Prompt war es geschehen. Sie trat auf einen Stein und knickte mit dem Fußgelenk um. Beinahe wäre sie auch gestürzt, doch gerade noch so konnte sie sich abfangen.


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