Des Menschen (zweit)bester Freund

Geschrieben für den 19. Essay-Wettbewerb

im April 2019 in der Gruppe „Kurzgeschichten“

 

Thema: Die Zukunft des Autos 


Lang ist es her, dass die Menschen zu Fuß gingen, um von A nach B zu gelangen. Sie wanderten sogar von Kontinent zu Kontinent, um bessere Lebensbedingungen zu finden. Pferde gab es zwar auch schon, aber keiner kam auf die Idee, eins zu zähmen und sich mithilfe dessen fortzubewegen. Wie viel leichter wäre es gewesen für den Menschen der Urzeit. Doch viel lieber sahen sie das Tier am Spieß über einem Feuer brutzeln und später in ihren Mägen. Umweltfreundlich wäre das Pferd auch gewesen. Aber so etwas wussten sie damals noch nicht.

 

Tausende von Jahren vergingen. Pferd, Esel, Kuh, Schaf, Schwein, Hund und Katze wurden domestiziert und machten sich nützlich. Das Rad wurde erfunden. Was für eine Erleichterung. Man kam schneller an weit entfernte Orte. Lasten wurden auf Wagen transportiert, anstatt mit Muskelkraft getragen zu werden. Immer noch schadete es der Umwelt nicht.

 

Es dauerte noch viele Hunderte von Jahren, da erfanden kluge Männer Diesel- und Benzinmotoren und Dampfmaschinen. Einer kam auf die Idee, eine Kutsche per Motor anzutreiben. Das erste Auto wurde geboren. Leider war der Erfinder zu feige, es selbst auszuprobieren und schob seine Frau vors Loch. Unbequem und zugig war es und machte Krach, aber die gute Mercedes Benz fand Gefallen an dem Vehikel und fuhr ab sofort nur noch mit dem Ding. Aber wenigstens kam ihr Gatte nicht ums Leben wie der Erfinder eines Fluggerätes.

 

Ein eigentlich kluger Mann orakelte damals, die stinkende Karre würde nicht lange überleben. Pferde wären die Zukunft. Arg verschätzt hatte er sich dabei. Na ja, man kann sich auch mal irren. Von Umweltschäden ahnte er auch noch nichts, obwohl bereits sehr lange Fabriken aus ihren Essen Wolken voll Staub und Dreck abbliesen und die Luft verpesteten.

 

Noch heute, weit über 100 Jahre später, gibt es sie, die damals so stinkenden und giftige Abgase ausstoßenden Autos. Verändert haben sie sich. Sie sind bequemer geworden, aber auch größer und schneller. Von PS-starken Maschinen angetrieben, verfällt manch einer dem Taumel der Geschwindigkeit und bringt sich oder andere ums Leben. Es gibt diesel- und benzinangetriebene Autos, mit Katalysator versteht sich. Die Menschen denken an die Umwelt. Sie wollen nicht leben inmitten von Smog, der ihnen die Luft zum Atmen und ihren Kindern die Zukunft nimmt. Zu viel wurde schon zerstört.

 

Trotzdem wollen sie nicht auf den geliebten fahrbaren Untersatz verzichten. Dafür erfanden sie Motoren, angetrieben mit Gas. Neuerdings gibt es auch Autos, die durch eine Elektrobatterie fahrbar gemacht werden. Nur machen sich keiner Gedanken darüber, woher der Strom für solch eine Batterie kommt. Kohle- oder Atomkraftwerk? Beides nicht gut für die Umwelt und die Gesundheit. Oder doch von Sonne, Wind oder Wasser erzeugten Strom. Erneuerbare Energien nennt die Menschheit dies. Welches besser ist, da streiten sich die Geister.

 

Denken wir aber auch daran, wie viel Umwelt zerstört wird, um eine Batterie bauen zu können? Wohl kaum einer! Woher kommen die Metalle, wie werden sie abgebaut? Kommt wer zu Schaden dabei? Und wenn doch, wie hoch ist der Schaden? Am meisten zu leiden hat wohl die Umwelt – und zu guter Letzt auch der Mensch.

 

Wo soll das noch hinführen mit den Autos? Größer, schneller, weiter? Größer und schneller hatten wir schon. Nun fehlt nur noch: das Weiter.

 

Vielleicht fliegen wir eines Tages mit einem Auto zum Mond oder besuchen weit entfernte Planeten, so wie wir heutzutage den Nachbarn nebenan zu Fuß erreichen oder mit einem PKW an anderen Orten lebende Verwandte. Wer weiß das schon? Womöglich erst unsere Nachfahren in 1000 Jahren.

 

Schön wäre es, dies zu erleben. Aber wollen wir das? Interessant wäre es aber ganz bestimmt.

 

© by Milly B. / 10.04.2019