Der Hofnarr und der Kerkermeister


Es war nun schon eine Weile her, dass der Sauhund und ich von der Zeitreise in die viktorianische Zeit zurückgekehrt waren. So gut, wie ich es fand, die Queen Victoria kenngelernt zu haben, so froh war ich, dass wir wohlbehalten in unsere Zeit zurückkehren konnten. Wie es der Sauhund fertiggebracht hatte, den magischen Stein für unsere Rückreise zu finden, war mir immer noch ein Rätsel. Irgendwann würde sich auch das aufklären.

 

Genauso ging es mir mit den plötzlich fehlenden Tagen. Mittwochs machten wir uns auf den Weg und erst am Sonntag tauchte ich bei Ihrer Majestät, der Queen Victoria, auf. Der Sauhund meinte, dass dies scheinbar daran lag, weil wir in die Vergangenheit gereist sind. Eine bessere Erklärung fand ich auch nicht. Der erste Mai ist auch nicht jedes Jahr ein Montag oder Dienstag, sondern immer an einem anderen Wochentag.

 

Trotzdem war ich sehr interessiert, was der Sauhund noch erlebt hatte. Immerhin waren wir nicht in der ganzen Zeit zusammen. Dass er wirklich ins Verlies gesperrt wurde, hatte mir Queen Victoria unbewusst bestätigt. Darüber war ich sehr froh. Jedoch frage ich mich immer noch, wie ich an Sauhunds Aussage zweifeln konnte. Sein plötzliches Verschwinden und mein Zorn darüber waren wohl die Übeltäter. Dabei hätte ich glücklich sein sollen, dass er gesund und munter wieder aufgetaucht war.

 

Nun gut, das war nun Vergangenheit. Allerdings quälte mich die Neugier ungemein. Er lachte nur darüber und faselte etwas von weiblichem Wissensdrang. Was er damit meinte, entzog sich meiner Kenntnis.

 

Ich brauchte einige Zeit und Überredungskunst, bis der Sauhund bereit war, mir mehr zu erzählen. Ich nahm schon an, er hatte Schlimmes erlebt und bedauerte ihn dafür. Das stellte sich zum Glück als falsche Annahme heraus. Als er sich endlich breitschlagen ließ, war ich gespannt wie ein Flitzebogen.

 

„Also gut. Du gibst sowieso nicht eher Ruhe, bis du bekommst, was du willst“, meinte er breit grinsend zu mir. „Ich will dir nun erzählen, wie es im Kerker wirklich war. Ich muss dir aber gestehen, bei einigem habe ich letztens geflunkert.“ Er feixte etwas schief.

 

Vorsichtshalber unterließ ich es, etwas darauf zu erwidern. Ich wusste, wenn er seinen Sturkopf einschaltete, hatte ich verloren. Dass er ein wenig gelogen hatte, verbuchte ich unter Notlügen, die waren erlaubt. Es sei denn, es wurde zu sehr über die Stränge geschlagen. Das hatte er hoffentlich nicht. Wenn doch, könnte ich großzügig darüber hinwegsehen und es ihm verzeihen. Sollte ich eine abschüssige Meinung darüber äußern, würde auch kein Bitten und Betteln helfen, um den Sauhund umzustimmen. Also machte ich es mir bequem und war ganz Ohr.

 

Auch der Sauhund nahm in seinem Sessel Platz und begann:

 

Die Königin war wahrlich ungehalten über mein Benehmen. Obwohl sie mich mehrmals dazu aufforderte, weigerte ich mich, meinen angeblichen Pflichten nachzukommen. Über meinen Schatten springen, nur um ihr zu gefallen, das konnte ich nicht. Ich gab mich doch nicht für etwas aus, was ich nicht war. Barsch befahl sie dem Diener, mich ins Verlies bringen zu lassen. Der Lakai gehorchte sofort. „Du warst mir schon immer suspekt“, flüsterte er mir gehässig zu, damit Ihre Majestät es nicht hören konnte. Dann zerrte er mich auch dem Gemach hinaus auf den Flur.

 

„Wirst du mich wohl loslassen, du Grobian“, wehrte ich den festen Griff des Dienstboten ab.

 

„Wenn du nicht freiwillig mitkommst, rufe ich die Wachen. Die werden dir schon zeigen, wo der Hase im Pfeffer liegt“, antwortete der Kerl, der mich am Kragen gepackt hatte. Er schob mich vor sich her, als wäre ich ein Sack Kartoffeln.

 

Ich wehrte mich trotzdem so gut ich konnte. Der lange Lulatsch verlor endgültig die Geduld mit mir. „Wachen!“, rief er so laut er konnte. „Wachen! Hierher!“

 

Am liebsten hätte ich ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Aber er war viel größer und stärker als ich. Am langen Arm hielt er mich auf Abstand.

 

„Na endlich! Hierher!“, beorderte er die beiden Wachmänner zu sich. Sie kamen eben im Laufschritt die Treppe hoch geeilt. „Bringt diesen Kerl auf Geheiß Ihrer Majestät ins Verlies“, befahl er ihnen.

 

„Zu Befehl“, salutierten die Beiden und griffen unbarmherzig zu.

 

Ich trat um mich, schrie, versuchte sogar zu beißen. Doch was konnte ich armer Tropf gegen solch eine Übermacht tun? Nichts! So hing ich zappelnd und zeternd zwischen ihnen. Meine Füße berührten nicht einmal den Boden, was eigentlich auch gut für mich war. So konnte ich besser um mich treten. Den einen traf ich am Schienbein, den anderen am Knie. Ein wenig jaulten sie auf, aber losgelassen wurde ich nicht. Sie schleppten mich fort, als hätte ich gar kein Gewicht.

 

„Du kannst dich wehren wie du willst. Befehl ist Befehl“, sagte der eine, dabei hämisch grinsend. „Ich würde dir liebend gerne eine auf deine Schnüffelschnauze geben. Doch Gefangene schlagen wurde uns verboten. Außerdem bin ich tierlieb.“ Der zweite lachte darauf, dass es mich durchschüttelte. Was er mit tierlieb meinte, darauf konnte ich mir keinen Reim machen. Oder war das etwa eine Anspielung auf meine Schweineschnauze? Ich fragte lieber nicht nach, sonst fing ich vielleicht doch noch eine ein.

 

Inzwischen waren wir in die Katakomben des Palastes hinabgestiegen. Oder besser gesagt, meine Begleiter waren zu Fuß, ich wurde getragen. Ich fand es bequemer, mich tragen zu lassen, als die glitschigen Stufen nach unten zu torkeln, vielleicht sogar noch zu fallen und mir dabei die Schnauze aufzuschlagen oder sonst was zu brechen. Wenn ich schon eingesperrt werden sollte, dann wollte ich wenigsten heil im Kerker hocken.

 

„Wärter! Besuch für dich!“, rief einer meiner Begleiter laut, als wir an einer dicken verschlossenen Holztür ankamen. Er schlug mit der Faust dagegen, um auf uns aufmerksam zu machen. „Mach auf, du Hundsfott“, rief er wieder. Es ging ihm wohl nicht schnell genug.

 

Nach einer Weile raschelte es hinter der Tür, ein Riegel wurde bewegt und die Tür wurde von innen geöffnet. Eine finster aussehende Gestalt kam zum Vorschein. Ich erschrak mächtig. Oh Graus! Der Kerl sah aus wie der Glöckner von Notre Dame, nur viel hässlicher. Ich dachte, ich bin im falschen Film.

 

„Wen haben wir denn da?“, fragte der Hässliche. Dabei wurden verfaulte Zähne in seinem Mund sichtbar. Sein Atem, der mir entgegenschlug, stank schlimmer als die größte Kloake Londons im Jahr 1800. Ich wollte meinen Kopf abwenden, dieser Widerling zwang mich aber, ihn anzuschauen. Glubschige Froschaugen bestaunten mich. Mein Ekel schien ihm nicht entgangen zu sein. Seine Lippen formten sich zu einem noch breiteren Grinsen. Dann pustete er mich an. Leider beendete keine erlösende Ohnmacht die Qual des widerwärtigen Gestanks.

 

„Ihre Majestät, die Königin befiehlt, diesen Wicht hier in deine Obhut zu übergeben“, meldete sich nun die Wache linker Hand zu Wort.

 

„Das konnte ich mir schon denken. Umsonst werdet ihr den weiten Weg bis in meine edlen Gemächer nicht auf euch genommen haben“, meinte der Gnom und gab die Tür frei. „Immer herein in die gute Stube. Ein anheimelndes Gemach wartet schon auf einen neuen Bewohner.“ Er machte eine einladende Geste.

 

Ich wurde losgelassen und fiel fast hin. Doch ehe ich aufschlug, wurde ich am Schlafittchen gepackt. „Beinahe wärst du gestürzt. Wir wollen doch nicht, dass du dir wehtust und dich bei Ihrer Majestät über mich beschwerst“, sagte dieser Kerl zu mir. „Ich bin Ranulf, der Kerkermeister, verantwortlich für dein Wohlergehen und die edlen Gemächer hier unten.“

 

Bei dem Wort Kerkermeister kringelten sich mir die Fußnägel hoch. Ich sah mich schon auf der Steckbank liegen, diesen Grobian über mir, der mit Genuss die übelsten Folterinstrumente an mir ausprobierte. Nein, das durfte nicht sein. Ich musste hier weg, komme, was wolle. Ein Plan musste her und zwar schnell.

 

„Ihr könnt jetzt gehen, ich kümmere mich schon um ihn“, wandte er sich dann an die Wachen und schlug ihnen die Tür vor der Nase zu. „Störe dich nicht an meinem Aussehen“, plauderte er fröhlich weiter, während er mich zu meinem nächsten Aufenthaltsort geleitete. Mein angewidert verzogenes Gesicht ignorierte er einfach. „Ich bin auf eine andere Art schön“, meinte er feixend. Er schien meine Gedankengänge zu ahnen. „Obwohl“, er schaute mich aufmerksam von oben bis unten an, „die Schönheit hat auch einen weiten Bogen um dich gemacht.“

 

Das schlug dem Fass den Boden aus! Machte sich der Kerl über mein Aussehen lustig? Ich wollte ihm eben den Rat geben, doch mal in den Spiegel zu schauen und sich ein Bild über sich selbst zu machen, da endete unser Weg bereits. Es war vielleicht auch besser so, meine Zunge im Zaum zu halten. Der Meister des Kerkers käme vielleicht noch auf die Idee, mir diese eigenhändig auszureißen. Womöglich erschreckte er sich auch, wenn er sich im Spiegel betrachten konnte. Ich grinste in mich. Es könnte möglich sein, er fiel vor Schreck in die Ohnmacht, die ich vorhin herbeisehnte und ich hätte die Gelegenheit, schnelle Füße zu machen und von diesem grausigen Ort zu verschwinden.

 

Ranulf öffnete eine Tür und schob mich in das dunkle Loch dahinter. Es roch muffig, wie verfaultes Stroh, Unrat und sonst noch weitaus Schlimmeres, das ich nicht benennen möchte. Ich hörte Mäuse, oder waren es sogar Ratten, wie diese aufgeregt über den Boden flitzten. Darüber machte ich mir lieber keine Gedanken. Doch die Bilder im Kopf waren allgegenwärtig, dass ich mich gegen ein entsetztes Schütteln nicht wehren konnte.

 

„Ist ein wenig finster hier“, wagte ich zu mokieren. Ich wollte keinesfalls im Dunkeln hocken.

 

„Wir haben Kerzenmangel. Die Königin muss sparen“, bekam ich zur Antwort.

 

„Können wir wenigstens ein Fenster öffnen“, fragte ich. „Es ist so stickig.“

 

Ranulfs Gelächter schallte daraufhin durchs Gemäuer „Fenster? Hier unten?“ Er hielt sich den Bauch. „Hast du noch andere Witze auf Lager?“

 

„Klar. Ich bin der Hofnarr“, erwiderte ich bitterernst.

 

„Hofnarr?“ Ranulf schaute mich an. „Die Königin hielt doch immer alles auf dich. Weshalb bist du hier? Bist du in Ungnade gefallen?“

 

„Ich habe behauptet, ich könne keine Witze machen“, antwortete ich.

 

„Nicht dein Ernst?“ Ranulfs Unterkiefer klappte nach unten.

 

„Ich bin ja auch kein Hofnarr. Deswegen kann ich auch keine Witze machen. Die Königin wollte das nicht glauben und fand das gar nicht witzig. Daher ließ sich mich hierher bringen, bis ich es mir anders überlege.“ Ich versuchte, ein wenig auf die Tränendrüse zu drücken.

 

„Kein Wunder, dass sie dir nicht glaubte. Bei deinem Aussehen glaubt jeder, du wärst der Hofnarr, sogar eine Königin sähe das so“, stellte Ranulf fest, nachdem er mich zum wiederholten Male betrachtet hatte. „Grüne Haare, Schweinsnase und eine riesige Brille. Das kann doch nur ein Hofnarr sein. Ein Schelm, wer da anderes denkt.“

 

„Nun mach mal halblang“, knurrte ich Ranulf an. „Du könntest im Gruselkabinett die Leute erschrecken. Außerdem stinkst du aus dem Maul wie ein Wiedehopf. Ich müsste mich schämen, diesen armen Vogel mit dir zu vergleichen.“

 

„So schlimm?“, fragte er. Ich nickte nur darauf. Der Kerkermeister beließ es dabei und ging nicht weiter auf seine körperlichen Belange ein.

 

„Wie heißt du?“, wollte er nun wissen.

 

„Sauhund“, erwiderte ich. Ranulf wollte eben erneut lachen, doch mein grimmiger Blick ließ ihn verstummen.

 

„Gut, Sauhund. Was mache ich nun mit dir?“, fragte Ranulf wie nebenbei und schien zu überlegen.

 

„Mich freilassen. Ich muss zurück nach Hause. Meine Liebste wartet garantiert schon auf mich“, versuchte ich das Pferd von hinten aufzuzäumen.

 

„Bist du von Sinnen!“, stieß Ranulf erschrocken aus. „Ich kann dich nicht einfach freilassen.“

 

Das war verständlich und wäre Befehlsverweigerung, was harte Strafen nach sich ziehen würde. In diesem dunklen Loch wollte ich trotzdem nicht bleiben. So erzählte ich Ranulf von dem magischen Stein, den ich im Zauberwald gefunden hatte und mithilfe dessen ich hier gelandet war.

 

Als er von dem magischen Stein hörte, wurde er stutzig. Hatte ich den richtigen Ton getroffen? Es sah so aus. „Mir fällt eben was ein“, sagte er. „Wo bist du wach geworden?“

 

Ich berichtete von der Blumenrabatte am Ende des Kiesweges vor dem Palast.

 

„Jetzt geht mir ein Licht auf“, stieß Ranulf aus. Ich verstand nur Bahnhof. Auf meine Anfrage berichtete er von Leuten, die plötzlich aufgetaucht und genauso plötzlich wieder verschwunden waren. Die meisten wären in der Blumenrabatte aufgefunden worden. Einige waren ganz anders gekleidet, als es derzeit Mode war. Andere wurden auch hier im Kerker entdeckt.

 

„Wo im Kerker?“, fragte ich. Ein Hoffnungsschimmer keimte auf. Das musste ich mir mit eigenen Augen ansehen. Er zeigte mir die Zelle. Ich hörte dasselbe Brummen, das ich am magischen Stein im Zauberwald vernommen hatte. Als ich mich genauer umsah, erkannte ich das Flimmern des Steins in einer Ecke.

 

Ranulf schien zu ahnen, was mir im Kopf herumschwirrte. „Ich sperre dich hier ein“, sagte er zu mir und lächelte wissend. War er auch ein Zeitenwanderer wie ich und wusste, wovon ich sprach? Das wäre ein wahrer Glückgriff in diesem Dilemma.

 

„Danke“, erwiderte ich und wollte ihn vor Freude umarmen.

 

„Keine Intimitäten“, wehrte er mich ab. „Viel Glück“, sagte er noch zu mir und verließ die Zelle.

 

Nachdem der Kerkermeister die Tür von außen verriegelt hatte, begann ich, die Zelle zu untersuchen. Obwohl es stockdunkel war, konnte ich meine Umgebung gut erkennen. Der Stein schien auch auf mein Augenlicht Einfluss zu nehmen. So näherte ich mich, nachdem ich in den anderen Ecken geschaut hatte, wieder der Ecke mit dem Brummen. Ich konnte es nicht glauben, jemand hatte einen magischen Stein mitten im Kerker verbaut. Das Glück war mir hold. Ich schickte ein letztes Mal meine Gedanken an Ranulf und dankte ihm von ganzen Herzen. Dann legte ich voller Freude meine Hände auf das Gemäuer und schwupps, war ich wieder hier.

 

Gespannt hatte ich der Erzählung gelauscht, ohne meinen Sauhund ein einziges Mal zu unterbrechen. Daher wusste er, wo sich der andere magische Stein befand. Dass auch im Kerker einer war, darauf wäre ich nie gekommen. Obwohl, es war eigentlich ersichtlich nach dem, was er mir über seine erste Zeitreise berichtet hatte. Ich wollte es nur nicht sehen.

 

„Was ist eigentlich aus Ranulf geworden?“, wollte ich wisse.

 

„Keine Ahnung“, antwortete der Sauhund. „Als wir zusammen dort waren, habe ich im Kerker nachgefragt. Aber keiner wusste etwas über einen Ranulf, der Kerkermeister gewesen sein sollte. Vielleicht war er wirklich nur ein Zeitreisender wie wir, oder wusste darüber Bescheid und wollte mir helfen.“

 

Etwas anderes konnte ich mir auch nicht vorstellen. Der Sauhund war beim ersten Mal einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich mochte gar nicht dran denken, was gewesen wäre, wenn er den Stein nicht gefunden hätte oder er dem Kerkermeister Ranulf nicht begegnet wäre. Dann würde er jetzt noch im Kerker schmoren. 

 

„Weißt du was“, sagte ich zu meinem Liebsten. Er schaute mich fragend an. „Es war schon sehr interessant, Queen Victoria kennenzulernen. Aber leben möchte ich in dieser Zeit nicht. Die vielen Etiketten und Regeln, an die man sich halten musste, das wäre nichts für mich. Ich denke mit Grausen an die Unmengen von Ösen an Victorias Korsett zurück. So etwas jeden Tag tragen zu müssen. Welch eine Qual.“

 

„Na ja, ich habe ja sozusagen auch in dieser Zeit gelebt und kann diesbezüglich mitreden. Jede Zeit hat ihre Vor- und Nachteile“, sagte der Sauhund zu mir.

 

„Welche Nachteile hat die Jetztzeit?“, fragte ich neugierig. Ich war gespannt, was er darauf antwortet.

 

„Ich werde immer noch angeschaut wie ein bunter Hund“, erwiderte der Sauhund. „Obwohl ich angenommen habe, die Menschen heutzutage müssten toleranter sein. Sind sie aber nicht. Alles was nicht ins Schema passt… nun gut, du kennst es von Berichten aus früherer Zeit, wie schnell Frauen als Hexen verunglimpft wurden, oder bezichtigt wurden, mit dem Teufel im Bunde zu sein. Daher ziehe ich es auch vor, hier im Zauberwald zu leben. Zum Glück sind nicht alle so intolerant und stören sich nicht am Äußeren, sondern schauen ins Innere, ehe sie sich ein Urteil bilden.“

 

Er blieb eine Weile wortlos, dass ich es wagte, noch eine Frage zu stellen: „Du hast von den Nachteilen gesprochen. Gibt es auch Vorteile?“

 

Mein Sauhund lächelt, dann sagte er: „Ja, die gibt es. Sogar einen ganz besonderen.“

 

Ich riss erstaunt die Augen auf. Bei so vielen Nachteilen nahm ich nicht an, dass er auch ein gutes Härchen in der Suppe finden würde.

 

„Der Vorteil ist, ich habe dich“, ließ er die Katze aus dem Sack und küsste mich ganz liebevoll.

 

© by Salika von Wolfshause / 25.03.2019