Die Mogelpackung


Unser Sauhund war schon immer sehr begeistert davon, durch die Weltgeschichte zu ziehen. Kein Wunder, er war ja auch ein Zeitreisender, was sein sehr hohes Alter auch bewies. Er reiste aber nicht nur gerne durch die Zeit, sondern auch auf der ganzen Welt herum.

Eigentlich dachte er, sein Auge wäre geschult genug, um nicht erneut auf eine Mogelpackung hereinzufallen wie damals auf Mademoiselle de Beaumont am Hofe Ludwig des XV. Vielleicht erinnert Ihr Euch an diese impertinente Person, die sich als Frau ausgab. Dass ihm das jemals noch einmal passieren würde, fiel ihm im Traum nicht ein. Wie es dazu kam, erfahrt Ihr jetzt.

Der Sauhund war in Urlaubslaune. Nur wohin reisen? Er setzte sich vor seinen Globus, starrte die nachgebildete Erde an und drehte sie gedankenversonnen. Plötzlich hatte er eine Idee. Er brachte den Globus schwungvoll zum Drehen, schloss die Augen und stoppte ihn mit einem Finger. Dort, wo sein Finger den Globus traf, da wollte er Urlaub machen. Als er die Augen wieder öffnete, schaute er neugierig auf den Punkt. Thailand!

„Dort war ich noch nie!“, rief er erfreut aus und begann sofort, Vorbereitungen für seine Weltreise zu treffen. Lastminute-Reisen waren gerade in und so entschloss er sich, sogleich das Reisebüro aufzusuchen. Das Glück war ihm hold. Bereits in der nächsten Woche konnte es losgehen, mit Phuket als Ziel. Über Bangkok ging es mit einem Inlandsflug nach Phuket. Im Amatara Wellness Resort wurde Quartier bezogen. Das Hotel war zwar nicht gerade billig, aber laut Sauhund gönnte man sich ja sonst nichts.

In Urlaubsstimmung betrat der Sauhund endlich die Hotelanlage, die aus einer Ansammlung von Bungalows und kleinen Villen in idyllischer Lage direkt am Meer bestand. Er hatte nur einen kleinen Bungalow gemietet, der aber einen eigenen Pool und eine Sauna besaß.

Die Tage vergingen wie im Fluge. Meist lümmelte unser Sauhund an seinem Pool herum oder streifte durch das weitläufige Hotelgelände. Auch an einigen Ausflügen nahm er teil. Am Abend ging er auswärts essen, was ein wenig billiger war als das Hotelessen. Immerhin wollte er die ganze Zeit nicht nur faulenzen, sondern auch Land und Leute kennenlernen. Einheimische Bars zogen ihn besonders an. Er hatte gehört, dass dort die hübschesten Mädchen ein- und ausgingen. Ob nun gegen Geld oder freiwillig, lassen wir hier außen vor. Unsere Schnüffelschnauze war nie ein Kostverächter und wollte natürlich auch im Urlaub der Liebe frönen. Thailändische Mädchen sollten da besonders anschmiegsam sein, hatte er gehört. Doch leider war keine Schönheit dabei, die sein Herz erweichen konnte. So ging er meist recht gefrustet und nach langer Abstinenz hormongeplagt zurück in sein Hotel.

Der Abend war aber noch längst nicht zu Ende. Angekommen, setzte er sich nackt auf die große Terrasse und genoss den Blick über den Pool zum Meer. Kleine beleuchtete Boote fuhren durch die Bucht, dass man annehmen musste, ein Heer von Leuchtkäfern flimmere über dem Wasser. Am anderen Ende der Bucht konnte man hell erleuchtete Touristenhochburgen erkennen, die meist für geringes Geld weniger zahlungskräftige Urlauber beherbergten. Da konnte der Sauhund von Glück reden, dass sein Geldbeutel praller gefüllt war und er die Vorzüge der gehobenen Klasse genießen konnte.

Apropos genießen. Durstig kam er nach dem abendlichen Spaziergang von der Bar zurück ins Hotel. So bestellte er an der Rezeption eine Flasche Gin. Schon bald klopfte es an der Tür. Nach einem „Herein“ betrat eine attraktive, vollbusige Thailänderin den Bungalow und brachte das Bestellte.

Unser Sauhund bekam Stielaugen. Beinahe lief ihm der Sabber aus dem Mundwinkel. Sein Frauenbeglücker wurde aufmüpfig. Der Sauhund wäre nicht der Sauhund, wenn er nicht sogleich auf Angriff überging.

„Stell es hier ab“, säuselte er und lenkte das Mädchen zu sich an den Pool. Schnell legte er sich noch ein Handtuch über den Schoß, um seine Blöße zu bedecken.

„Sehr wohl, der Herr“, erwiderte die Kleine und beugte sich, ob nun gewollt oder ungewollt, beim Abstellen des Drinks so weit nach vorn, dass der Sauhund Einblick bis zum Bauchnabel hatte. Dass er nun vollends meschugge wurde, kann sich bestimmt jeder vorstellen.

„Setz dich doch zu mir“, bot er dem Mädchen an.

„Das darf ich nicht“, erwiderte sie in holprigem Englisch.

„Auch nicht, wenn ich…“, er griff nach seiner Geldbörse, zog ein Bündel Geld heraus und zählte 100 Dollar ab.

„Das sind gute Argumente“, gab die Kleine nach und griff nach dem Geld. Sie hatte verstanden, was von ihr erwartet wurde.

Der Sauhund ging zur Stereoanlage, um sie anzustellen. Dabei vergaß er, sein Handtuch um die Hüften zu schlingen.