Gleichberechtigung

Geschrieben für den 58. Kurzgeschichtenwettbewerb

im ELP-Forum im Februar 2019

Thema: "Alle meine Männer / Frauen"


Es ist ja nicht so, dass mir schnell Langeweile aufkommt und mich der Hafer sticht. Immerhin bin ich nicht mehr die Jüngste und der Sauhund forderte meine ganze Aufmerksamkeit. Doch sagte ich mir, wenn schon, denn schon, Gleichberechtigung.

 

Sauhund nahm sich ab und an die Freiheit, seine Schnüffelschnauze auch bei anderen Frauen auszuprobieren. Unser Sauhund hieß nicht umsonst Sauhund. Er war der größte Schnüffler weit und breit. Daher nahm auch ich mir heraus, mir neben ihm einen anderen Mann zu gönnen. Zum Glück fand ich einen, der mir sehr behagte und gefiel. Ein Adonis war er zwar nicht, dafür hatte er andere „Vorzüge“, auf die ich mehr Wert legte.

 

Ganz anderes als der Sauhund legte ich keinen Wert darauf, mir für das „Fremdgevögele“ jedes Mal einen anderen suchen zu müssen. Für mich lag da eher die Bequemlichkeit im Vordergrund. Einmal im Monat zwei Tage genügten mir vollkommen und auf keinen Fall wollte ich mich verlieben. Das war ausgemacht. Daher sah ich es nicht ein, mich ständig nach einem anderen Lover umzusehen. Es lief auch so gut, da konnte ich nicht klagen. Der Sauhund übrigens auch nicht.

 

Eines Tages war es wieder einmal soweit. Mein Lover hatte sich angesagt. Ich war vor Aufregung ganz aus dem Häuschen, dass ich das gewisse Örtchen öfter als normal aufsuchen musste. Ihr müsst wissen, Aufregung jedweder Art schlagen mir auf den Magen. Dieses Mal sollte unser Treffen im Zauberwald stattfinden, besser gesagt in unserer Hütte.

 

Ganz wohl war mir dabei nicht. Meine beiden Herzbuben kannten sich zwar. Aber was würde sein, wenn plötzlich einer von ihnen aus heiterem Grund eifersüchtig werden sollte. Sauhund beteuerte zwar immer, er wäre es auf keinen Fall, mein Lover auch nicht. Aber so ganz traute ich dem Frieden trotzdem nicht.

 

Ich wuselte wie verrückt durch die Hütte, damit auch alles blitzte, wenn er ankam. Eigentlich war es nur dazu gedacht, mich abzulenken. Sonst wäre ich vor Aufregung garantiert verrückt geworden.

 

Am späten Nachmittag war es soweit. Es klingelte und ich spurtete wie von Hunden gehetzt zur Tür. Ein breites Grinsen stahl sich in mein Gesicht, als ich sie öffnete. Es folgte eine Knutschorgie alá Couleur. Am liebsten hätte ich ihn gleich ins Bett gezerrt, doch das ging natürlich nicht. Ich merkte schon, er verspürte etliche Hemmungen. Immerhin war er im Haus seines „Gegners“. Seine Verlegenheit musste er ablegen, komme, was wolle.

 

Nach einem opulenten Abendmahl mit Fleisch in Form von leckeren Rindersteaks und diversen Beilagen, waren wir gesättigt und eigentlich viel zu faul, um etwas zu tun. Wir lungerten im Wohnzimmer herum. Ein wenig Small-Talk war angesagt.

 

Nach einiger Zeit stupste mich der Sauhund unbemerkt an und deutete nach oben. Wollte er uns loswerden?  Doch ich verstand ihn auch ohne Worte.

 

„Ich gehe nach schon mal ins Bad, mich frisch machen“, sagte ich wie nebenher. „Kommst du dann auch?“, fragte ich meinen Besuch. Der nickte nur und schaute mich an wie ein Kaninchen in der Falle. Ganz einerlei war es ihm wohl immer noch nicht. „Männer“, dachte ich mir meinen Teil dazu und verschwand.

 

Im Bad war ich schnell fertig und flitzte ins Schlafzimmer, das ich am Nachmittag bereits vorbereitet hatte. Man will es ja schön haben bei einem Schäferstündchen. Es dauerte nicht lange und ich hörte Schritte auf der Treppe. Dann kam er und wagte sich fast nicht, an mich heranzutreten.

 

Ich grinste ihn vom Bett aus an. „Willst du dort Wurzeln schlagen?“, fragte ich.

 

„Natürlich nicht“, erwiderte er. Schneller als der Wind riss er sich die Kleidungsstücke vom Leib. Wie ich ihn kannte, legte er diese ordentlich beiseite. Nicht zum ersten Mal musste ich darüber lächeln. Ich wäre da anders.

 

Schon schob sich sein nackter Körper unter meine Bettdecke. Natürlich riskierte ich zuvor noch einen neugierigen Blick. Obwohl ich sein bestes Stück bereits kannte, wollte ich mir das unbedingt noch einmal ansehen.

 

„Endlich“, seufzte ich wohlig und schmiegt mich an ihn. Wie ferngesteuert gingen meine Hände auf Wanderschaft. Das Objekt meiner Begierde blieb anfangs außen vor. Jeden Zentimeter seines Körpers erforschte ich und entlockte ihm hier und da ein leises Stöhnen.

 

Anderes herum war es natürlich genauso. Schon bald war ich nur noch ein zitterndes, nach mehr gierendes Wesen, das sich kaum noch zurückhalten konnte. Aber auch ich versuchte, nicht allzu laut zu sein. Immerhin war der Sauhund unten. Er musste nicht alles mitbekommen.

 

Obwohl ich sehr abgelenkt war, hörte ich, wie der Sauhund ins Bad ging. Er hatte sich bereit erklärt, diese Nacht im Gästezimmer zu verbringen, damit er uns nicht bei gewissen Dingen stören würde. Ein Schelm, der nichts Böses denkt. Ich hörte noch, dass die Tür des Gästezimmers geschlossen wurde. Danach rührte sich nichts mehr.

 

„Jetzt können wir“, flüsterte ich meinem Liebsten zu und stürzte mich mit Wohlgenuss hinein ins Vergnügen. Wir turnten mächtig herum, die ganze Nacht, probierten alle möglichen Stellungen durch, bis wir ermattet in einen tiefen Schlaf fielen.

 

Am nächsten Morgen wurde ich vorsichtig geweckt. Grummelnd wollte ich mich wegdrehen, doch der Störenfried ließ keine Ruhe. Immer wieder kamen vorwitzige Finger, die mich unmissverständlich aus dem Schlaf rissen. Gerade wollte ich schimpfen, aber dann fiel mir ein, dass eine ganz besondere Nacht hinter mir lag. Ich schaute auf und blickte in dunkle, braune Augen. Jetzt erinnerte ich mich.

 

„Guten Morgen“, flüsterte er mir zu und zog mich in seine Arme. Ich kuschelte mich an und genoss das Beisammensein. Dass es nicht nur beim Schmusen blieb, lag wohl an mir, oder an ihm. Ich weiß es nicht mehr. So begannen wir unseren Morgen mit einem weiteren wilden Ritt, manche würden auch Bums dazu sagen.

 

Kaum waren wir fertig, kam von unten der Ruf, das Frühstück wäre fertig. Wir huschten ins Bad zur Morgentoilette. Er war schneller fertig als ich. Männer sind irgendwie immer schneller als Frauen. Woran das wohl liegen mag?

 

Während sich mein Besuch schon nach unten begab, beendete ich meine morgendlichen Tätigkeiten. „Ich habe dich vorhin stöhnen gehört“, flüsterte mir der Sauhund breit grinsend zu, als ich mich zu ihnen gesellte. „Spanner“, schimpfte ich lachend und zog ihm die Ohren lang.

 

© by Salika von Wolfshausen / 17.02.2019