Johanna und die Räuber


Diese Geschichte gibt es in drei verschiedenen Versionen. Die Original-Version, aus der Sie hier einen Ausschnitt lesen können, eine reloated-Version, sowie eine remixed-Version, die ich mit dem Autoren helios53 bearbeitet habe.


Unruhig lief die neunzehnjährige Johanna in ihrem Gemach, das nur wenige Schritte maß, hin und her. Obwohl, Gemach konnte man dieses stinkende Kabuff, das sie seit fünf Tagen bewohnen musste, nicht gerade nennen. So lange war es her, seit eine Horde Vagabunden sie auf einem Ausritt mit ihrer gleichaltrigen Anstandsdame Maria von Arnheim überfallen und entführt hatten. Sie, Johanna von Hohenburg, die Tochter von Arnulf von Haldenburg, einem der reichsten Ritter der Umgebung und Gemahlin von Gerald von Hohenburg, einem reichen Adeligen aus dem Sachsenland. Nicht einmal ihre Notdurft konnte sie allein verrichten, immer war einer der Räuber dabei, der sie auf Schritt und Tritt bewachte. Welch eine Scham für sie, die sich in ihrem jungen Leben bisher nur ihrem Mann, um mit ihm Liebe zu machen, halb bekleidet gezeigt hatte. Und nun musste sie sich bei einem so intimen Vorgehen begaffen lassen.

Maria hatten sie, nachdem sie sich an ihr vergangen hatten, laufen lassen, nicht ohne ihr zu drohen, mit Johanna würde dasselbe geschehen wie ihr, wenn sie das Versteck verraten würde. Sie setzten das verängstigte und geschändete Mädchen auf ihr Pferd und einer der Männer führte sie in die Nähe der Burg, wo er sie frei ließ.

Gestern Abend lauschte sie, wie ihre Häscher berieten, was mit ihr geschehen solle. Einer hatte vorgeschlagen, sie umzubringen, was ihr den Schrecken durch die Glieder fahren ließ. Laut grölten die Männer, als sie ihr Schluchzen hinter der hölzernen Tür vernahmen. Aber dann schlug einer auf den Tisch und herrschte seine Kumpane an, still zu sein und seinen Vorschlag anzuhören. Sie wäre doch die Tochter eines wohlhabenden Ritters und da könnte man doch eine Menge Gold für ihre Freigabe fordern. Wenn das schief ginge, könnte man sie ja immer noch … mehr mochte Johanna nicht hören, die vor Angst schlotternd in ihrem Gefängnis saß. Dabei war sie nie besonders ängstlich gewesen, was vor allem ihrer Mutter Giselde ein Dorn im Auge war. Es gehörte sich nicht für eine edle Dame, auf Bäume zu klettern oder wie ein Mann auf einem Pferd zu reiten.

***

Nachdem Maria auf Schloss Haldenburg zurückgekehrt war, berichtete sie Johannas Vater über das Missgeschick, das geschehen war. Dieser ließ sofort Gerald rufen, der mit seinen Knappen im Park den Schwertkampf übte.

Arnulfs Gemahlin Giselde lief im Schlosshof auf und ab und palaverte über das Unglück ihrer Tochter.

Ritter Arnulf herrschte sie an, sich zusammen zu nehmen. Es geziehme sich nicht für eine Herrscherin, sich vor dem Gesinde so gehen zu lassen.

So zog sich Giselde schmollend in ihr Gemach zurück, setzte sich da weinend ans Fenster und starrte in Ferne.

Ritter Gerald kam sofort angerannt, als ihm Arnulfs Knappe die Nachricht überbracht hatte.

 

„Wir müssen sie befreien“, rief er aufgeregt und fuchtelte dabei wild mit seinem Schwert herum.