Salat? Nein danke!

 

Ein Beitrag zum Wortspiel "Salat" in der Gruppe

"Das BookrixWortspiel"


Eine Humoreske – Nicht zu ernst nehmen

 

In dem Moment, als ich einen Salat aß, kam mein Göttergatte Leo nach Hause. Entsetzt schaute er mich an und schüttelte den Kopf. „Davon wirst du aber nicht satt“, kommentierte er die winzige Portion Grünzeug mit Tomate, Gurke, Paprika und Möhre, die ich mit viel Liebe auf meinem Teller drapiert hatte.

 

„Meinst du?“, antwortete ich und mümmelte genüsslich an einem Salatblatt. Als nächstes landete ein schmackhaftes Möhrchen in meinem Mund. Schnurpsend vertilgte ich es.

 

„Ich glaube, wir haben neuerdings Hasen im Haus“, frotzelte mein Mann weiter und holte sich ein Bier aus dem Kühlschrank.

 

Erschrocken sprang ich auf und quiekte. Suchend blickte ich mich um, konnte aber keinen einzigen Mümmelmann entdecken. Erst als Leo begann, laut zu lachen, klingelte es bei mir, die Lampe leuchtete auf und erhellte mein Hirn. Wieder einmal hatte er mich auf die Schippe genommen. „Ach du!“, motzte ich und warf ein Stück Gurke nach ihm.

 

Geschickt fing er es auf und steckte es in seinen Mund. Nachdem er genüsslich gekaut hatte, wurde es mit einem großen Schluck Bier heruntergespült. Nach einem wohligen „ah“ und einem dezenten Magenwind blickte mein Angetrauter mich nachdenklich an. „Du, Caro“, meinte er nach einer Weile ein wenig kleinlaut. „Aber abnehmen willst du hoffentlich nicht. Du weißt, ich liebe deine runden Ecken und Kanten.“

 

„Wie kommst du auf so einen Mist?“, fragte ich ihn. „Ich will mich nur etwas gesünder ernähren. Das wird doch nicht verboten sein?“

 

„Du isst mir in der letzten Zeit zu viel Salat“, erwiderte er. „Das kommt mir recht eigenartig vor.“

 

„Ups, erwischt“, dachte ich mir. Ich wollte wahrlich ein paar Pfunde loswerden. Meine neuen Hosen zwickten und zwackten schon wieder an der Taille. Auch mein gutes Abendkleid saß nicht mehr so wie an dem Tag, an dem ich es erstanden hatte. Inzwischen sah ich darin aus wie eine Rolle Drops. Leo fand es sexy, ich eher weniger. So konnte das nicht weiter gehen. Also nahm ich mir vor, etwas abzunehmen und auf Alkohol ganz zu verzichten. Der sollte nämlich beim Abnehmen gar nicht gut sein und würde die Prozedur auch nicht gerade besser machen. Erträglicher vielleicht, aber nicht besser.

 

„Sehe ich vielleicht so aus?“, lenkte ich Leo etwas schroff vom Thema ab. Hunger macht halt arg böse. Vor allem, wenn man auf Diät ist.

 

„Du musst wegen dieser einfachen Frage nicht gleich in die Luft gehen wie eine V8“, blaffte er grimmig zurück. „Man darf doch wohl mal fragen und sich Gedanken um die Gesundheit seiner Frau machen. Mir fiel es halt auf, mit dem Salat und dem ganzen Grünzeug, das du in der letzten Zeit in Unmengen in dich hineinstopfst. Es fehlt nur noch, du käust wieder.“ Er verzog sein Gesicht mit diesem Hab-mich-lieb-Dackelblick, dass mir meine ruppige Reaktion gleich wieder leidtat.

 

„Ist schon gut“, entgegnete ich und schob mir das nächste Salatblatt in den Mund. Ich war wahrlich hungrig. Dieser blöde Salat würde mich heute garantiert nicht sättigen, obwohl ich gegen Mittag heimlich das schöne große 400g-Rindersteak ohne weitere Beilagen verputzt hatte.

 

Während ich genervt in meinem Grünzeug herumstocherte, kramte mein Mann im Kühlschrank. „Das gibt es doch nicht“, murmelte er dabei.

 

„Suchst du was?“, wollte ich wissen.

 

„Wir hatten gestern noch dieses schöne große Rindersteak“, antwortete er. „Das wollte ich mir jetzt braten. Wenn ich dich so essen sehe, hab´ ich nämlich auch großen Hunger bekommen.“

 

Ich wurde rot wie die Tomaten in meinem Salat. Betreten versuchte ich mein schlechtes Gewissen zu verbergen.

 

„Naaa… raus mit der Sprache“, meinte Leo grinsend, als er meine Reaktion bemerkte. Er hörte wahrscheinlich die Nachtigall ganz laut trapsen.

 

„Na ja, mir knurrte der Magen so sehr. Immer nur Salat… das macht auf die Dauer nicht satt. Da dachte ich mir, das Rindersteak wäre genau das Richtige für mich. Nicht zu fett, kalorienarm und gerade die richtige Menge, um satt zu werden“, sah ich mich genötigt, meine Untat zuzugeben.

 

Leo grinste noch mehr. Er nahm einen weiteren großen Schluck aus seiner Bierflasche, möglicherweise getreu dem Motto: eine Flasche Bier ist genau so viel wert wie drei Scheiben Brot und füllt auch den Magen.

 

„Und nun?“, fragte er. „Soll ich vielleicht auch Salat essen, wie du? Nee, das kannst du mit mir nicht machen. Ich will Fleisch! Leckeres Fleisch vom Rind oder Schwein, oder irgendeinem anderen Tier, das man essen kann und nicht mehr wegrennt oder -fliegt. In der Pfanne gebraten, gekocht, gegrillt, egal wie, Hauptsache Fleisch! Verstehst du?“

 

Entgeistert schaute ich ihn an. „Du wirst doch wohl meinem Essen nicht das Essen wegessen wollen!“, stieß ich empört aus. „Aber, weißt du! Ich habe noch Lammsteaks im Eisfach. Wie wäre es damit?“, sagte ich dann, nun auch verschmitzt grinsend.

 

„Au ja“, erwiderte Leo erfreut und tanzte wie ein Kobold durch die Küche, „aber ohne Salat!“

 

„Ohne Salat! Dafür mit viel dicker Soße und Kartoffeln“, versprach ich ihm hoch und heilig und machte mich an die Arbeit.

 

© by Milly B.  29.08.2018