Puranzels Lüste

 

Ein Beitrag zum Erotikschreibwettbewerb 

im Mai / Juni 2019 

in der Gruppe Erotikschreibwettbewerbe 

bei Bookrix


Es waren einmal ein Mann und eine Frau. Die lebten in einem kleinen Häuschen neben dem Anwesen einer Zauberin. Die beiden wussten allerdings nicht, dass ihre Nachbarin eine Zauberin war, welche die Menschen verhexte, um an deren Kinder zu gelangen. 

Der Mann und die Frau wünschten sich ein Kind. Ein Kind wäre die Krönung ihrer Liebe, aber es wollte und wollte nicht mit dem Nachwuchs klappen. Die beiden taten es jeden Tag, doch jeden Monat wurden sie auf ein Neues enttäuscht - Der Kindersegen blieb aus.

Eines schönen Tages bemerkte die Frau, sie war endlich guter Hoffnung. Vor Freude über den Nachwuchs, gaben sie sich erneut der Wollust hin, dass es sogar die Zauberin nebenan hörte.

 

Das Kind wuchs und gedieh im Bauch der Mutter. Je größer es wurde, desto größer wurde der Appetit der Schwangeren. Von Tag zu Tag stieg er, dass sie es schon mit der Angst zu tun bekam, eines Tages zu platzen. Den größten Heißhunger verspürte sie beim Anblick der Rapunzeln, die in ihrem Garten wuchsen. Sie aß so viel davon, bis sie nicht mehr konnte und kein einziges Pflänzchen mehr auf ihren Beeten zu finden war. Trotz intensiver Pflege blieben die Beete leer, wie der Magen der schwangeren Frau, der ständig nach neuen Rapunzeln verlangte.

Eine Lösung musste her - am besten noch am selben Tag, sie käme sonst um vor Heißhunger, klagte sie dem Gatten ihr Leid. Die Frau dachte angestrengt nach. Während sie beim Denken zwischen ihren Beeten hindurchschlenderte, bemerkte sie, ihre Nachbarin baute in ihrem Garten ebenfalls Rapunzeln an. Die Gier der Frau stieg ins Immense, dass sie es kaum noch aushalten konnte. In ihrer Not schickte sie ihren Mann los, damit dieser im Nachbargarten Rapunzeln zu stiehlt.

Was sie nicht wussten, die Pflanzen der Zauberin hatten besondere Kräfte. So nahm das Unglück seinen Lauf. Je mehr die Frau davon aß, umso größer wurde ihre Gier danach. Bald musste ihr Mann täglich dreimal zur Nachbarin huschen, um dort den begehrten Salat zu stehlen.

 

Die Zauberin bemerkte den Diebstahl. Auch ihr Beet war inzwischen schon fast kahl, was sie nicht gerade gut fand, denn auch sie aß gerne Rapunzeln, am liebsten mit Zitrone, Öl und Zucker. Daher beschloss sie, dem Mann aufzulauern und ihn für seine Untat zu bestrafen.

Als er wieder in ihren Garten ging und die zarten Rapunzelpflanzen büschelweise ausriss, stellte sie ihn. „Dieb, gemeiner. Du wagst es meine Rapunzeln zu stehlen!“, begann sie zornig zu zetern und drohte ihm mit ihrem Besen.

„Entschuldige, liebe Frau Nachbarin“, begann der Mann stotternd zu erklären. Der Schreck saß ihm in den Knochen. „Meine Frau ist seit einiger Zeit guter Hoffnung. Wir freuen uns sehr über dieses Kind. Aber nun hat sie ganz schlimmen Heißhunger auf eben diese Rapunzeln. In unserem Garten gibt es leider keine mehr. Sie hat sie schon alle aufgegessen. Du warst unsere letzte Hoffnung. Ach bitte, erlaube uns doch, die Rapunzeln zu nehmen, damit der immense Heißhunger meiner Gattin gestillt werden kann.“ Der Mann jammerte und klagte sein Leid.

„Dann will ich mal nicht so sein“, erwiderte die Zauberin nach einer Weile. Doch ganz ohne Strafe sollten die Diebe nicht davonkommen. „Aber ich möchte als Gegenleistung euer Kind. Wenn es zur Welt gekommen ist, müsst ihr es mir übergeben. Immerhin nährst du es von meinem Hab und Gut. Es muss die Schuld an eurer Stelle übernehmen.“

Erst wollte der Mann ablehnen, doch als er das entschlossene Gesicht der Frau sah, wusste er, es blieb ihm nichts anderes übrig, als auf diesen Handel einzugehen. Als Gegenleistung durfte er weiterhin jeden Tag in den Garten der Nachbarin kommen und so viele Rapunzeln holen, wie er brauchte. Nur seiner Frau wagte er nichts von der Vereinbarung mit der Nachbarin zu erzählen.

 

Der Tag, an dem das Kind geboren werden sollte, war gekommen. Die Frau quälte sich viele Stunden, bis das Kind endlich das Licht der Welt erblickte. Die Nachbarin hatte genau beobachtet, denn sie wollte unbedingt ihren Lohn für die Rapunzeln. Pünktlich nach der Geburt erschien sie im Haus des Ehepaares und verlangte die Herausgabe des Neugeborenen. Die frisch gebackenen Eltern konnten zetern und heulen, die Zauberin bestand darauf, das Kind in ihre Obhut zu nehmen. Schweren Herzens gaben sie den Säugling der Nachbarin.

 

Das Kind, es war ein Mädchen, wurde von der Nachbarin Puranzel genannt. Sie wuchs im Laufe der Jahre zu einer wahren Schönheit heran. Ihr Haar war so gülden, dass es der Sonne Konkurrenz machte. Die Zauberin hatte ihre wahre Freude an ihr, sie war folgsam und tat alles, was ihr aufgetragen wurde. Dies blieb so, bis Puranzel den Kinderschuhen entwachsen war. Von da an hatte es das Mädchen faustdick hinter den Ohren. Sie lief sie hinter jedem Mann her, den sie in ihre Fänge bekam. Sie verlustierte sich mit jedem, den die bekommen konnte, egal, welcher Herkunft er war. Sogar das feige Schneiderlein und Grumpelstölzchen mussten dran glauben. Wenn Schneerot und Rosenweißchen nicht so folgsam gewesen die Anweisungen ihrer Eltern befolgt hätten, wären auch sie noch mit in Puranzels Orgien einbezogen worden.

 

Die inzwischen gealterte Zauberin sah sich das Treiben Puranzels eine Weile an, bis für sie das Fass übergelaufen war. Sie konnte die Unzucht ihrer Ziehtochter nicht mehr ertragen, sperrte sie in einen hohen Turm und verschloss die Tür mit einem Zauberspruch so fest, dass niemand sie öffnen konnte. Auch ihre Freundinnen durften sie nicht besuchen, geschweige denn Männer. So musste die arme Puranzel tagein, tagaus allein im Turm sitzen und Handarbeiten machen. Nicht einmal aus dem Fenster schauen durfte sie.

Nur wenn die Ziehmutter dem Mädchen Essen bringen wollte, erlaubte sie ihr, aus dem Fenster schauen. Die alte Frau stellte sich dann am Fuß des Turmes hin und rief: „Puranzel, Puranzel, lass dein Haar herunter.“

Und Puranzel ließ ihr Haar, das inzwischen zu einem langen Zopf gewachsen war, herunter. Die Frau hängte den Korb mit den Speisen daran und ging wieder zurück in ihr Haus. Puranzel selbst besuchte sie nie in ihrem Turm, weshalb das Mädchen sehr traurig war. Auch die geilen Spiele mit den vielen anderen Märchenfiguren fehlten ihr sehr, sodass sie oft nicht wusste, wohin mit ihrer Lust.

 

Ein Jüngling, der eines Tages am Turm vorbeiritt und das Treiben beobachtet hatte, fand Gefallen an Puranzel, deren güldenes Haar ihn regelrecht verzauberte. Er beschloss, das Mädchen in ihrem Turm zu besuchen. Nur musste er dazu einen günstigen Zeitpunkt abwarten, um nicht von der Hexe ertappt zu werden. So spann er einen Plan.

Am nächsten Tag, kaum war die Zauberin in ihrem Haus verschwunden, stellte er sich am Fuße des Turmes auf. Er sagte laut den Spruch auf, damit die Turmbewohnerin ihn auch hören konnte.  „Puranzel, Puranzel, lass dein Haar herunter“ rief er nach oben.

Puranzel ließ, da sie annahm, ihre Stiefmutter hatte etwas vergessen, ihr Haar erneut nach unten. Sie wunderte sich schon, da dies bisher noch nie geschehen war.  Der Jüngling kletterte flugs an Puranzels Zopf nach oben ins Turmgemach.

Das Mädchen war außer sich vor Freude, endlich wieder ein anderes Gesicht zu sehen als immer nur das griesgrämige ihrer Ziehmutter. Sie stürzte auf den jungen Mann und vergnügte sich augenblicklich mit ihm, dass sich die Balken bogen. Sie stieß sie wollüstige Schreie aus und feuerte den Jüngling mächtig an. Sie konnte gar nicht genug davon bekommen und wollte immer mehr.

Auch dem jungen Mann gefiel das wilde Gehabe seiner Partnerin, dass er regelrecht süchtig nach ihr wurde. Sie taten es immer und immer wieder, beinahe jeden Abend. Sobald Puranzels Wachposten im Haus verschwunden war, feierten die beiden ihre Orgien im Turm.

Aus Puranzel wurde eine ausgeglichene junge Frau, deren geile Bedürfnisse stets befriedigt wurden.

 

Der alten Zauberin blieb das wollüstige Treiben ihrer Ziehtochter nicht verborgen. Wutentbrannt wollte sie sogleich zu ihr und sie zur Rede stellen. Doch dann besann sie sich und überlegte, was sie gegen das unzüchtige Tun machen könne. So ging sie auf die Lauer. Sie sah, wie der Jüngling an Puranzels Haar nach oben in den Turm stieg und kurz darauf wildes Gerammel und Gestöhne zu hören war.

„Na wartet. Euch krieg ich“, drohte die Alte still und dachte sich einen Plan aus. Sie sah es nämlich nicht ein, dass nur Puranzel der Lust frönen konnte, während sie darben musste.

 

Am nächsten Tag, als sie Puranzels Speisen brachte, stieg sie in den Turm nach oben. Puranzel war erstaunt darüber. Sie war es nicht gewohnt, dass die Alte sie außerhalb der Mahlzeiten besuchte. So hatte die Alte ein leichtes Spiel. Sie überwältigte und fesselte das Mädchen nackt auf einem Stuhl, den sie neben das Fenster stellte. Sich selbst zog sie ebenfalls nackt aus und wartete so gewappnet auf die Ankunft des Mannes.

Endlich erklang unten am Fuße des Turmes der verabredete Spruch. Die Zauberin ließ Puranzels Haar nach unten, damit der Jüngling hochsteigen konnte. Ohne die Gefahr zu ahnen, hangelte er sich nach oben. Dort empfing sie ihn. Erschrocken wollte er flüchten, doch die Zauberin bannte ihn mit einem Zauberspruch, dass er in eine Art Trance verfiel, jedoch eine mächtige Latte bekam. Die Alte war hin und weg vom Anblick dieses gewaltigen Gemächts und fühlte sich ganz plötzlich wieder jung. Dann vergnügte sie sich vor den Augen Puranzels mit deren Galan, bis sie erschöpft zusammenbrach. Erst danach löste sie Puranzels Fesseln, damit diese ihre Geilheit befriedigen konnte. Dem Jüngling impfte sie ins Hirn, nur noch mit ihr und Puranzel gemeinsam der Lust zu frönen, was sie von diesem Tage an beinahe täglich taten.

 

So lebte Puranzel ewig in ihrem Turm und bekam fast jeden Tag Besuch von ihrem Jüngling. Die Zauberin fühlte sich irgendwann zu alt für solch versaute Dinge. Sie löste den Zauber und überließ den jungen Leuten das Feld. Ab und an kamen mal Grumpelstölzchen oder das feige Schneiderlein vorbei und taten sich gütlich. Sogar Schneerot und Rosenweißchen bekamen Lust und wiedersetzten sich den Befehlen ihrer Eltern.

 

© Sandy Reneé / 19.05.2019