Jäger der Nacht


Blut lief an Jims Mundwinkeln hinab. Mit der Zunge wischte er sich die letzten Tropfen sogar noch ab, damit ja keiner verloren gehen konnte. Nur so war er sich sicher, alles auskosten zu können. Genau wie er sich so sicher sein konnte, dass ihm niemand auf die Schliche kommen konnte. Nicht auszudenken, was dabei geschehen würde. Sie würden ihn so lange jagen, bis sie ihn fangen konnten und dann würden sie ihn umbringen. Ohne Gnade, genauso wie er es mit seinen Opfern tat.

 

Jim hasste sich jedes Mal, wenn er es tun musste. Er versuchte, sich mit allen Kräften dagegen zu wehren. Aber er konnte nichts tun. Es war wie ein Zwang, der ihn überfiel und gegen den er machtlos war.

 

Jeden Monat in den Vollmondnächten war es besonders schlimm. Da ging eine Verwandlung durch ihn. Er wurde zur reißenden Bestie, die alles tat, um das nächste Opfer zu erbeuten. Erst vor ein paar Tagen hatte er diesem jungen Mädchen aufgelauert, um sie zu überfallen. Sie konnte sich nicht einmal mehr richtig wehren, als er sie ansprang und ihre Halsschlagader durchbiss, bis er ihr nach Eisen schmeckendes Blut auf der Zunge fühlte und gierig aus ihr heraussaugen konnte.

 

Doch das war längst nicht alles. Er konnte sich an ihrem Todeskampf ergötzen. Wie sie versuchte, ihn abzuwehren, nach ihm trat und schlug, ihn kratzte und biss. Doch er war stärker, sehr viel stärker als sie, stärker als sie es jemals sein konnte. Dann spürte er, wie ihre Kräfte auf ihn übergingen, während sie immer schwächer wurde und irgendwann ihr Leben aushauchte. Zurück blieb nur eine leere Hülle Mensch, bleich, blutleer und kalt.

 

Am schlimmsten war es für Jim, wenn er einen Mann gerissen hatte, der sexuell sehr aktiv war. Die männlichen Hormone verstärkten die Wirkung des Blutes in ihm noch mehr, so sehr, dass er gleich, nachdem er den Mann erledigt hatte, das nächste Opfer erbeuten musste. Das waren meist Frauen. Dafür schämte er sich besonders.

 

Erst vor kurzem geschah es wieder. Der Mann, den Jim im Blutrausch tötete, gab seine Kraft an ihn weiter. Jim ging danach auf die Suche nach einer Frau. Er war geil, so geil wie schon ewig nicht mehr. Lange Zeit musste er suchen, bis er endlich das fand, was ihm zusagte.

 

Sie hatte lange schwarze Haare, die glänzend wie Seide fast bis zu ihrem prachtvollen Hintern hinabfielen. Jim sah diese Frau und wusste gleich, die musste er unbedingt haben. Viele Tage schlich er um sie herum, hofierte ihr, machte Komplimente, benahm sich wie ein Gentleman.

 

Endlich war es soweit. Sie gab nach und wollte sich mit ihm treffen. Jim lief voller Euphorie den ganzen Tag wie auf Wolken. Er bereitete sich sogar sehr gewissenhaft auf den Abend vor. Nichts durfte schief gehen, kein Fingerzeig durfte auf ihn zurückführen, wenn sie gefunden werden sollte. Dass der Abend anders verlaufen sollte, als er es erhoffte, ahnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

 

Jim war schon Stunden vor der vereinbarten Zeit am Treffpunkt. Er sah sich ganz genau um, beobachtete die Passanten, die vorübergingen, prägte sich jedes Gesicht bis ins kleinste Detail ein. Dann kam sie endlich, sie, die er so lange sehnsüchtig erwartet und sehnsüchtig herbeigesehnt hatte.

 

Geschmeidig lief sie den Parkweg entlang. Die untergehende Sonne ließ ihr langes Haar wie einen gleißenden Lichtschein wirken. Ihre Silhouette war schlank und hob sich von den anderen Parkbesuchern ab. Sie überragte viele um Haupteslänge, obwohl sie flache, bequeme Schuhe trug.

 

Frauen wie diese, die rank und schlank waren, liebte Jim. Schon als er sie von weitem sah, schlug sein Herz aufgeregt in seiner Brust, während sich sein Glied erregt aufrichtete. Bald ist sie mein, sprangen seine Gedanken wie ein Rehkitz durch sein Hirn.

 

Als sie ihn erkannte, lächelte sie feenhaft. Jims Herz pochte einen Schlag schneller. Am liebsten wäre er sofort über sie hergefallen. Doch noch musste er sich gedulden, warten, bis die Zeit dafür reif war. Geduld war sein Weg zum Erfolg.

 

Endlich kam die Dämmerung über den Park. Jim ging Hand in Hand mit seiner Angebeteten die sorgsam gepflegten Wege entlang. Wie unbewusst steuerte er immer tiefer in den Park hinein, weg von den Menschen, die Zeugen seiner Untat werden und ihn später erkennen könnten.

 

An einer Parkbank angekommen, setzten sich die beiden. Erst saßen sie still nebeneinander. Nur das gelegentliche Zwitschern eines Vogels störte die Stille. Jim riss sich zusammen und wandte sich ihr zu. Er sah ihr in die Augen, sie lächelte. Ihre wohlgeformten Lippen formten einen Kussmund. Jim wusste, was zu tun war. Erst zaghaft, dann immer fordernder küsste er sie, deren Mund wie reife Kirschen schmeckte. Jim spürte, wie langsam die Bestie in ihm erwachte. Er versuchte, sie zu bekämpfen. Noch durfte sie nicht zum Vorschein kommen, erst, wenn er sich mit der Frau vereinigt hatte. Dann schmeckte ihr Blut am besten, wie reifer, vollmundiger Wein.

 

Ihr Atem ging heftig. Auch sie spürte die Erregung, die Jim ergriffen hatte und die allmählich auf sie überging. Jedoch schwirrten durch ihren Kopf andere Gedanken, als durch den von Jim. Nur nicht die Nerven verlieren. Daran denken durfte sie nicht, er hätte ihre Gedanken erraten können. Dann wäre alles umsonst gewesen.

 

Langsam schälte sie sich aus ihrer Bluse. Jims Atem ging noch schneller. Er wusste nun, sie wollte auch, sie wollte ihn. Hastig zog er sich aus. Während er seine Hose nach unten ließ, schnellte sein harter Schwanz nach vorn, groß und dick. Die Frau bekam glänzende Augen. Ihr Slip fiel. Es kam zu dem, das kommen musste. Schon versenkte er sich in die ihm dargebotenen Weiblichkeit.

 

Sie bot sich ihm an, willig und wollüstig. Ihre Lustschreie gellten durch den Park. Sie wollte kommen, doch sie ließ es nicht zu, spielte nur. Jim jedoch hielt nichts auf, sein Ziel war erreicht.

 

Gierig wollte er zubeißen, ihr Blut trinken, sie reißen, töten. Doch als er sich über sie beugen wollte, hörte er einen ohrenbetäubenden Knall. Schmerz durchfuhr ihn, er sackte zusammen.

 

„Wir haben sie, die Bestie!“, war das Letzte, das er vernahm, ehe ihn völlige Dunkelheit umfing.