Der Babysitter


Simon ist nicht mein richtiger Name. Nur um meine Anonymität zu wahren, stelle ich mich mit diesem Namen als Babysitter in den einschlägigen Lokalzeitungen vor. Ich bin 21 Jahre alt und Student. Meist ist mein Budget sehr knapp, sodass ich mich über jeden noch so kleinen Zusatzverdienst freue, auch wenn ich mich dafür auf anderen Gebieten zuweilen doch einschränken musste.

Gerade heute musste ich meiner Freundin zum wiederholten Male einen Korb geben. Mein Dienst wurde verlangt … Ein Ehepaar wollte in die Oper, wollte aber ihr zweijähriges Kind nicht allein zurücklassen.

„Ich bin dir nicht mehr wichtig“, sagte meine Freundin am Telefon zu mir und legte beleidigt auf.

Ich wurde in eine sehr noble Gegend bestellt. Nachdem ich an einem schmiedeeisernen Tor geklingelt hatte, schwang dieses lautlos auf und ich wurde hereingebeten. Ich ging einen langen Kiesweg entlang zum Eingang einer Villa. Ein feiner Herr im Smoking empfing mich, taxierte mich kurz von oben herab und führte mich ins Haus. Snob fiel mir dazu nur ein. Doch Geld stinkt nun mal bekanntermaßen nicht.

Eine um etliches jüngere Frau in einem langen, schwarzen Abendkleid, wohl die Mutter des Kindes, nahm mich lächelnd in Empfang und führte mich rasch durch ihr Haus. Der Kleine schlief bereits und laut ihrer Meinung würde ich wohl einen ruhigen Abend erleben können. Ich soll es mir gemütlich machen, an der Kaffeemaschine, aus dem Kühlschrank und der Hausbar dürfe ich mich ungeniert bedienen, wurde mir beschieden. Mit ihrer Rückkehr rechneten sie so gegen 23 Uhr.

Gleich darauf verließen sie das Haus.

Natürlich nahm ich meinen Auftrag sehr ernst. Die Hausbar rührte ich nicht an, ich erlaubte mir lediglich, zwei Kaffees zu genießen. Das Kind, auch wenn es schlief, durfte nicht vernachlässigt werden.

Der kleine Michi schrie einmal kurz auf. Aber das war nichts Dramatisches, ich steckte ihm den verlorenen Schuller in den Mund, danach war wieder Ruhe.

So wartete ich einfach die vier Stunden meines Dienstes ab und langweilte mich. Die achtzig Euro, die ich dafür bekommen würde, waren wirklich leicht verdient.

Meine Auftraggeber kamen entgegen ihrer Aussage, erst weit nach Mitternacht zurück. Die Frau erkundigte sich zuerst nach dem Wohlbefinden ihres Söhnchens, sie stieg sogar die Treppe hoch, um sich selber zu vergewissern.

Der Herr des Hauses schien mir allerdings etwas übel gelaunt zu sein. Bereits beim Eintreten hatte er seine Frau (oder was auch immer?) als Hure und Flittchen beschimpft. Ich traute meinen Ohren nicht! Das hätte ich in diesem Haus bestimmt nicht erwartet.

Unschwer war zu erkennen, dass die beiden sich in einer Bar wohl noch einige Getränke genehmigt hatten. Bestimmt war da etwas vorgefallen, das seinen Unmut erregt hatte.

Er, als älterer Gockel im Smoking hatte womöglich seine junge, lebensfrohe Gefährtin in ihrem langen Abendkleid gegen die ungenierten Anmachen der jungen Gäste kaum zu verteidigen vermocht. Und sie hatte die ihr zukommenden Aufmerksamkeiten wohl allzu sehr genießen wollen.

Mir war es wirklich sehr peinlich, diesen Streit miterleben zu müssen. Ich hielt mich aus den Ehestreitigkeiten lieber raus und bewegte mich unauffällig in Richtung Haustür. Ich erwartete nur noch meine Bezahlung, dann wollte ich sofort verschwinden.

Der Mann jedoch schien sich nicht zu beruhigen. Er schrie seine Partnerin an und spie ihr ins Gesicht. „Mach, doch was du willst!“, zeterte er lauthals, „ich schlafe im Gästezimmer!“ Stampfend trat er durch den Flur und verschwand durch eine Türe.

Nun stand ich da, konnte mich nicht mehr rühren. Auch die Frau stand da, ebenso erstarrt. Zaghaft hob ich meinen Blick, sah ihr in die Augen …

Zu meiner Überraschung erkannte ich ein lüsternes Glitzern in ihren Augen, als sie an mich herantrat. „Du bist doch als Babysitter hier“, flüsterte sie mir ins Ohr, „würde es dir etwas ausmachen, noch etwas länger zu bleiben?“

Ich verstand ihre Frage nicht, verwirrt schüttelte ich meinen Kopf.

„Dem Babyalter bin ich zwar entwachsen“, sprach sie mit gedämpfter Stimme weiter, „aber manchmal sehne ich mich nach jener Zeit zurück. Ich kann jetzt nicht allein sein. Bring mich bitte zu Bett.“

Bevor ich ihre Worte wirklich verstanden hatte, fasste sie mich bei der Hand und zog mich mit, eine Treppe hoch in ihr Schlafzimmer.

Nun standen wir da, ich wusste weder ein noch aus. Die Frau stand einfach vor mir, ließ ihre Arme hängen und schien auf etwas zu warten …

„Hey “, holte sie mich ins Hier und Jetzt zurück, „du hast einen Auftrag! Also frag nicht, tu es doch einfach. Zieh mich aus, bring mich zu Bett!“

Nun doch sehr verunsichert nestelte ich die Knöpfe ihres Kleides auf. Geduld schien nicht ihre Stärke zu sein, sie half tatkräftig mit, bald stand sie nur noch in ihren knappen Dessous vor mir.

Hautnah drängte sie sich nun gegen mich. „Bitte bleib bei mir“, flüsterte sie mir zu, dabei griff sie nach ihrer Handtasche und legte einen Stapel grüne Euroscheine auf den kleinen Tisch neben dem Bett.

Dadurch total verwirrt, bemerkte ich gar nicht, wie sie sich an meiner Kleidung zu schaffen machte. Erst als meine Hose zu Boden sank erkannte ich, was sie in Wirklichkeit von mir erwartete.